HZ-Interview mit Friedrich Christian Delius über Bad Hersfeld liest ein Buch

Zuse darf schwadronieren

Friedrich Christian Delius in der Schilde-Halle, wo heute Abend ab 20 Uhr die Hauptveranstaltung von „Bad Hersfeld liest ein Buch“ stattfinden wird. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Der Besuch von Friedrich Christian Delius in der Stadt, in der er einst zur Schule ging, ist der Höhepunkt von „Bad Hersfeld liest ein Buch“. Wir sprachen mit dem Autor über literarische Gemeinschaftserlebnisse, Kritik an seinem Roman und kommende Projekte.

Herr Delius, was denkt der Autor, wenn sich eine Stadt kollektiv mit seinem Buch beschäftigt?

Friedrich Christian Delius: Für mich war das eine sehr angenehme Überraschung. Ich habe das in der Region Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen schon einmal mit meinem Buch „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ erlebt, und das hat wunderbar funktioniert. Da waren über hundert Veranstaltungen und ich bin herumgerast von einer Lesung zur anderen. Ich finde so etwas ganz toll, weil es doch eher von der Leserschaft ausgeht und dann bis in die Schulen reicht und damit weiter als normalerweise.

Üblicherweise ist es eine ganz persönliche Entscheidung, sich für ein Buch zu interessieren und dann zu lesen. Macht es für Sie als Autor einen Unterschied, wenn die Auseinandersetzung nicht im stillen Kämmerlein, sondern wie bei einer solchen Aktion öffentlich stattfindet?

Delius: Bei normalen Lesungen stelle ich meistens ein neues Buch vor und versuche die Leute dafür zu interessieren. Hier ist es so, dass das Buch schon gelesen wurde. Die Leute sind gut vorbereitet, sie stellen Fragen aus ihrer Lektüre heraus. Die Auseinandersetzung mit dem Buch ist so viel konkreter.

Wie haben Sie heute die Nähe zu Ihren ganz jungen Lesern, den Schülerinnen und Schülern der Konrad-Duden-Schule, erlebt?

Delius: Normalerweise habe ich nur mit der Oberstufe zu tun, denn ich bin kein Autor für die Unterstufe und eigentlich auch nicht für die Sekundarstufe – so dachte ich bis heute. Aber ich war wirklich sehr überrascht, was die sich so alles ausgedacht haben, was da für Fantasien losgegangen sind. Das hätte ich so überhaupt nicht erwartet.

Bei den etwas älteren Lesern hat es auch einige kritische Stimmen über Ihren Roman gegeben. Sinngemäß wurde gesagt, darin würden nur zwei etwas selbstgefällige alte Männer schwadronieren. Was sagen Sie dazu?

Delius: Naja, es kommt darauf an wie sie schwadronieren und worüber sie schwadronieren. Und ich glaube, dass meine Figur Konrad Zuse kein Durchschnitts-Schwadronierer vom Stammtisch ist, sondern schon ein spezieller und geistreicher Schwadronierer. Der hat nun wirklich eine unglaubliche Geschichte, und die ist relativ unbekannt. Auch hier in der Region weiß man oft nicht so richtig, was für ein Genie hier gelebt und mit seiner Universal-Rechenmaschine Technik-Weltgeschichte geschrieben hat. Das hat hier stattgefunden, zwischen unseren Bergen und Hügeln im Haunetal. Das haben nicht viele zu bieten und deshalb darf er auch schwadronieren und erzählen mit Verstand und mit Witz.

Sie haben in diesem Buch nicht zum ersten Mal Lokales aus Ihrer alten Heimat verarbeitet. Sind hier noch andere Themen versteckt, die Ihr schriftstellerisches Interesse wecken könnten?

Delius: Das kann ich noch nicht sagen. Man könnte zwar fast von einer „Haunetaler Trilogie“ sprechen*. Aber ob da noch mehr kommt, weiß ich nicht. Das kann ich Ihnen heute nicht versprechen. Außerdem rede ich nicht über ungelegte Eier.

Trotzdem nachgefragt: Ist ein neuer Delius in Arbeit?

Delius: Ja, da ist wieder etwas in Arbeit.

Und wann können wir daran teilhaben?

Delius: Ich hoffe, im nächsten Herbst.  zur person

* Gemeint sind die Romane „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“, „Mein Jahr als Mörder“ und „Die Frau, für die ich den Computer erfand“.

Von Karl Schönholtz

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