Nach 33 Jahren ist die Stieftochter eines amerikanischen Soldaten wieder in Hersfeld

Zurück in die Kindheit

Vor dem einstigen Wohnhaus des Soldaten Lowell Loehnert in der Homberger Straße posieren nach mehr als drei Jahrzehnten dessen Stieftochter Cherie Henniger (Mitte) und ihre Tochter Hilary Brisseé, sowie Hauseigentümer Lothar Weise. Foto: Witt

Bad Hersfeld. Obwohl seit dem Abzug der Amerikaner aus Bad Hersfeld schon fast 19 Jahre vergangen sind, bestehen viele der alten Verbindungen von damals bis heute fort. So war jetzt für eine Woche die in Austin/Texas lebende Cherie Henniger (49) mit ihrer Tochter Hilary Brisseé (24) erstmals seit 33 Jahren wieder in Bad Hersfeld und konnte sich an viele schöne Kindheitserlebnisse zurückerinnern.

In Bad Hersfeld stationiert

Zwischen 1976 und 1979 lebte die gebürtige Amerikanerin zusammen mit ihrer deutschen Mutter und ihrem amerikanischen Stiefvater, dem Soldaten Sergeant Lowell Loehnert, in Bad Hersfeld. Dieser war wie viele andere Amerikaner auch Teil der hier stationierten Luftverteidigungs- und Artilleriebrigade. Lowell Loehnert war in seiner Funktion in der Radarstation auf dem Semmelberg bei Raboldshausen für die Luftraumüberwachung der DDR zuständig.

Die heute 49-Jährige kann sich ganz genau an die Zeit zurückerinnern, wie sie damals als 13-Jährige mit ihrer Familie an der Homberger Straße in Bad Hersfeld lebte. „Als Kind habe ich eine große Freiheit genossen und war zum Glück nicht immer auf meine Mutter angewiesen, wenn ich mal weggehen wollte“, berichtet Cherie Henniger. Die Stadt konnte sie so ganz für sich alleine entdecken. Aber nach nur drei Jahren musste Cheries Stiefvater wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehren und so blieb der damals 15-Jährigen nichts anderes übrig, als die liebgewonnene Stadt wieder zu verlassen.

Viele Jahre später und fast schon in Vergessenheit geraten meldete sich dann 1996 ganz unverhofft Ursula Pflanz, eine Freundin aus Kindertagen, bei Cherie Henniger und besuchte sie schließlich in Texas. Doch danach brach der Kontakt erneut ab und erst 14 Jahre später, im Jahr 2010, fanden die beiden wieder zusammen. Diesmal war es aber die in New York lebende Tochter von Cherie Henniger, Hilary Brisseé (24), die beide dank Facebook wieder zusammenführen konnte. So kam es erneuten zu einem Treffen, wodurch sich nun auch der Besuch in Bad Hersfeld ergab. Hier waren die beiden Amerikanerinnen bei Christa Pflanz (80), der Mutter von Ursula Pflanz, in der Homberger Straße direkt neben dem einstigen Wohnhaus zu Gast.

Geburtstagsüberraschung

„Ich habe meiner Tochter immer wieder von meinem Leben in Bad Hersfeld erzählt und wie schön diese Zeit für mich war“, berichtet Cherie Henniger. „Und dann hat mich meine Tochter Hilary mit dieser Reise zum Geburtstag überrascht“. Inzwischen haben die beiden die Stadt besichtigt, waren Schwimmen oder mit Fahrrädern unterwegs. „Ich würde hier gerne leben wollen, wenn ich denn könnte“, gesteht Cherie Henniger und fasst ihre Kindheitserlebnisse mit den Worten: „Meine besten Kindheitserinnerungen“ zusammen. Leider kann sie nur noch ihrem Stiefvater von ihrem Besuch in Bad Hersfeld berichten. Denn ihre Mutter ist bereits verstorben und ihr Stiefvater ist gesundheitlich nicht mehr in der Lage, selbst zu reisen.

Von Adrian Witt

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