250 Dinge, die wir an der Region mögen (156): Die Jakobikirche in Rotenburg

Zurück an die Gläubigen

In wenigen Tagen steht die Jakobikirche Rotenburgs Gläubigen wieder zur Verfügung. Sie ist sechs Jahr lang innen und außen mit großem Aufwand saniert worden. Am Sonntag wird ein Festgottesdienst zur Eröffnung gefeiert. Foto: Goßmann

ROTENBURG. Verschwunden sind die Baugerüste und grüne Planen, die das Bild aus großen Glasfenstern, rötlich-braunem Sandstein und roten Dachziegeln störten. Nur noch wenige Tage, dann sind die Sanierungen an der Rotenburger Jakobikirche abgeschlossen und damit wird sie wieder zum Gottesdienst freigegeben.

Auf dieses Ereignis haben die Bewohner der Fuldastadt jetzt auch lange genug gewartet, denn seit 2007 fanden ebenso notwendige wie umfangreiche Renovierungsarbeiten an dem Gotteshaus statt, sodass man schon seit einiger Zeit von einer „Jahrhundertsanierung“ spricht. Nachdem bereits Außenfassade, Dach und der Turm samt Kuppel ein neues Gesicht erhalten haben, befinden sich jetzt die Arbeiten am Innenraum in den letzten Zügen.

Geformt in Flammen

Eine besondere Aufmerksamkeit erhielt das neue Altarkreuz. Das Ursprüngliche wurde vor einigen Jahren gestohlen und verbrannt. Ein wenig in Anlehnung an diesen Vorfall handelt es sich beim neuen Kreuz um ein stählernes, welches der Hersteller mit Feuer angebrannt und damit ein wenig verformt hat. Anschließend wurde es vergoldet, wodurch das Heilige und Göttliche symbolisiert werden soll.

Nicht nur mit dem Kreuz der gotischen Kirche, deren Grundsteinlegung im 13. oder 14 Jahrhundert vermutet wird, ist eine bewegte Geschichte verbunden, sondern auch mit dem Turm: An seiner Spitze thront seit 2011 ebenfalls ein neues Kreuz auf der renovierten Kuppel. Darin versteckt sich eine Kapsel, in die Pfarrer Michael Dorfschäfer und Dekanin Gisela Strohriegel einen Brief, eine Zeitungs-Ausgabe, ein Info-Heft der Stadt sowie einige Münzen legten, als das Kreuz neu eingeweiht wurde.

Schon in dem alten befand sich eine solche Kapsel, in welcher ein geschichtliches Zeugnis für die Ewigkeit aufbewahrt wurde. Als diese vor vielen Jahren eher durch Zufall entdeckt wurde, fand man in ihr einen sehr alten Zeitungsbericht, der vom Attentat in Sarajevo am 28. Juni 1914 berichtete, jenem Ereignis, das zum Ersten Weltkrieg führte. Die Jakobikirche steckt also voller kleiner Anekdoten und Besonderheiten, sodass es kein Wunder ist, dass den Rotenburgern ihre „Kirche am Markt“ besonders am Herzen liegt.

Diese Verbundenheit haben die Fuldastädter übrigens nicht nur mit Worten, sondern auch Taten unter Beweis gestellt: Der Förderkreis Jakobikirche hat im Zeitraum von sechs Jahren die stolze Summe von 107 000 Euro an Spenden für die Sanierung gesammelt. Ein Engagement, das die Landeskirche so beeindruckt hat, dass diese den Betrag prompt verdoppelt hat.

Zur Wiedereröffnung der Jakobikirche findet am Sonntag, 25. August, ab 11 Uhr ein feierlicher Gottesdienst statt. Darauf folgt eine Festwoche mit mehreren hochkarätigen Konzerten. Text unten

Von Torsten Gossmann

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