Willi und Erika Schraa aus Bad Hersfeld feiern heute ihre Eiserne Hochzeit

Der Zufall stand Pate

Feiern ihre Eiserne Hochzeit: Erika und Willi Schraa sind seit 65 Jahren verheiratet. In ihrer Bad Hersfelder Wohnung sind Erinnerungsstücke aus ihrer Zeit in Wilhelmshaven verteilt. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Gemeinsam zelebriert das Ehepaar Schraa in seiner gemütlich eingerichteten Bad Hersfelder Wohnung die ostfriesische Teekultur. In hauchdünnen Porzellantassen serviert Erika Schraa das Getränk traditionell mit Kandiszucker. „Den Tee habe ich von unserem letzten Besuch in der alten Heimat mitgebracht“, erklärt die 88-Jährige. Den Großteil ihrer gemeinsamen Jahre haben Willi und Erika Schraa in Wilhelmshaven an der Nordsee verbracht, und ihre friesischen Gewohnheiten wollen sie auch in ihrer zweiten Heimat Bad Hersfeld nicht aufgeben. Am Mittwoch, 12. Juni, jährt sich der Tag ihrer Eheschließung nun zum 65. Mal.

„Unser Kennenlernen war eigentlich reiner Zufall“, sagt Willi Schraa. Am Pfingstmontag 1945 war er als junger Torpedo-Mechaniker auf dem Weg nach Kiel. Am Hamburger Hauptbahnhof stand er plötzlich der Wilhelmshavenerin Erika gegenüber: „Ich war gerade zu Besuch bei meiner Tante. Willi ist mir in seiner schicken Uniform sofort aufgefallen.“

Dreieinhalb Leidensjahre

Die beiden hielten engen Kontakt, bis der Marinesoldat in den Krieg ziehen musste. Nur drei Monate sollte der Einsatz dauern – daraus wurden dreieinhalb Jahre. Im Gefecht in der Straße von Gibraltar wurde das U-Boot, auf dem der heute 89-Jährige stationiert war, versenkt. Nur mit knapper Not kam Willi Schraa mit dem Leben davon, geriet dann aber in schottische Kriegsgefangenschaft.

In Deutschland musste sich derweil die mit dem gemeinsamen Sohn Hans schwangere Erika allein durch die Kriegswirren schlagen. „Eltern hatte ich keine mehr, und eine finanzielle Unterstützung gab es auch nicht.“ Mit kleinen Aushilfsarbeiten konnte sie sich und Hans zumindest ein teilmöbliertes Zimmer finanzieren.

Geborgte Eheringe

Nachdem Willi Schraa aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, folgte im Juni 1948 endlich die Hochzeit – „mit nur zwei Gästen und vom Schwager geborgten, viel zu großen Eheringen“, wie die Eheleute sich heute lachend erinnern.

Nach den turbulenten Anfangsjahren verlief das Leben der Schraas nun ruhiger. Willi fand eine Anstellung bei der Nord-West Ölleitung in Wilhelmshaven, und Erika war über 30 Jahre bei der Post tätig. „Unsere Urlaube haben wir aber immer schon gerne in Bad Hersfeld verbracht“, sagt Erika Schraa. Als Sohn Hans eine Anstellung als Berufsschullehrer in der Kurstadt fand, zogen die Schraas 1981 kurzerhand ganz hierher.

Noch heute seien sie miteinander sehr glücklich, versichert das Eiserne Hochzeitspaar. Und schließlich kämen auch ihre zwei Enkel und vier Urenkel gerne auf eine Tasse Ostfriesentee vorbei.

Von Emily Spanel

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