Unerwartetes Wiedersehen nach 70 Jahren in der Seniorenresidenz Ambiente

Der Zufall stand Pate

Die Freundinnen Edda Hübner, Maria Manns und Anneliese Hühner (von links) trafen sich zufällig auf dem Gang der Bad Hersfelder Seniorenresidenz Ambiente wieder. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Aufgeregt sitzen die drei Damen zusammen und erzählen. Dass sie schon 90, 95 und 100 Jahre alt sind, scheint in diesem Moment vergessen zu sein. Zu kurios sind die Umstände ihres Wiedersehens: Vor 70 Jahren waren die Hersfelderinnen Edda Hübner, Maria Manns und Anneliese Hühner unzertrennlich. Nach ihren Eheschließungen und Berufsausbildungen verloren sie sich aus den Augen – bis sie sich jetzt unverhofft auf dem Gang der Bad Hersfelder Seniorenresidenz Ambiente wiedertrafen.

Schicksalhaftes Wiedersehen

„Das gibts doch gar nicht“, dachte die 95-jährige Maria Manns, als sie plötzlich ihrer Jugendfreundin Edda Hübner gegenüberstand. Doch damit nicht genug: Als sich die beiden überschwänglich begrüßten, wurde auch die 100-jährige Anneliese Hühner aufmerksam. „Das lag an meinem Namen Edda. In unserer Jugend war ich die einzige in Bad Hersfeld, die ihn trug“, sagt die aufgeschlossene 90-Jährige. „Anneliese habe ich durch meine Arbeit als Friseurin kennengelernt, und Maria wohnte in direkter Nachbarschaft.

Das Wiedersehen der Freundinnen war nach logischem Ermessen nicht nur unwahrscheinlich, sondern nahezu ausgeschlossen. So verbrachte Anneliese Hühner den Großteil ihres bewegten Lebens im Ausland: „Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges trat mein Mann in den Diplomatischen Dienst ein, und ich habe ihn immer begleitet.“ Als Botschaftergattin verbrachte sie einige Jahre in Uruquay, Costa Rica und Guatemala. Darüber hinaus war der Ehemann auch in Honduras, Panama und Nicaragua akkreditiert. „Ich bin von einer Botschaft zur anderen gereist“, erzählt die 100-Jährige lachend. „Da bei habe ich die ganze Welt gesehen.“

Auch Edda Hübner war viel unterwegs. Nachdem sie ihren Sohn großgezogen hatte, arbeitete sie für das Reisebüro Transeuropa: „Jeden Monat durfte ich ein anderes Land besuchen.“ Sieben Mal war sie in Australien, und ihr Sohn ist mittlerweile sogar nach Down Under ausgewandert. Das kam für die Rentnerin aber nicht in Frage: „Meinen Lebensabend wollte ich in meiner Heimatstadt verbringen.“

Kenne jede Gasse

Hätte sie eine andere Entscheidung getroffen, hätte sie auch Maria Manns nicht wiedergetroffen, die ihr ganzes Leben in der Kurstadt verbracht hat: „Hier kenne ich wirklich jeden Winkel und jede Gasse.“ Auch über die Bad Hersfelder Industriegeschichte weiß sie als Zeitzeugin viel zu berichten. Schließlich arbeitete ihr Mann als Ingenieur bei Schilde, sie selbst war bei Rechberg-Braun tätig. Besonders stolz ist sie auf ihren Sohn, dem sie ein Studium ermöglicht hat.

Hellwach und voll ungebrochener Lebenslust lassen die drei Damen jetzt die vergangenen 70 Jahre Revue passieren. Ein spätes Glück, dass die drei wie aus einem Mund mit „eigentlich unglaublich“ beschreiben.

Von Emily Spanel

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