„Trialog der Kulturen“ an der Modellschule Obersberg zu den drei Weltreligionen

Auf dem Weg zueinander

Zur Abschlussveranstaltung des „Trialogs der Kulturen“ an der MSO hatten die Teilnehmer ins Audimax eingeladen: (von links) Karima Lazaar, Johanna Kurz, Magnus Hemmenstädt und Alexander Motzko stellten dar, wie wichtig den Religionen „ihr Buch“ ist. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Die Abiturienten sind verabschiedet, die Ferien in Aussicht. Der auf freiwilliger Ebene an der Modellschule Obersberg (MSO) fast ein Jahr lang geführte „Trialog der Kulturen“ will ein Fazit ziehen. Aber es ist Ramadan. So richtig daran gedacht hatte keiner. Oder ging es gar nicht anders, als Schüler, Eltern, Lehrer, die Öffentlichkeit und Gäste, die etwas zu sagen haben, jetzt zur Abschlussveranstaltung des von der Herbert-Quandt-Stiftung ermöglichten Trialogs einzuladen?

Schon allein an diesem, bei der Podiumsdiskussion aufgetauchten Punkt wird deutlich, wie wichtig es ist, sich über das, was anderen (Religionen) wichtig ist, bewusst zu werden und Verständnis füreinander zu entwickeln. Und genau das war das Ziel des von einem engagierten Lehrerteam der MSO initiierten Miteinander-Nachdenkens und -Sprechens über die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Über die Wurzeln, den Stamm, die Äste, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des gerade an diesem Abend überall sichtbaren „Trialog-Baums“.

Das Audimax war gut besucht, als Schulleiter Karsten Backhaus von einem spannenden Projekt sprach, das angesichts der explosiven Lage im Nahen Osten superaktuell sei. Auch wenn man im Schulunterricht keine Probleme miteinander habe, gelte es, vor Ort miteinander zu arbeiten und dranzubleiben. Er verwies auf den 25-seitigen Abschlussbericht mit dem Titel „Auf dem Weg zueinander“, in dem die zahlreichen, in den Fachbereichen Religion, Geschichte, Musik und Deutsch ausgearbeiteten Einzelprojekte beschrieben sind. Nach einer ersten musikalischen Hinführung eines von Helgo Hahn geleiteten Chores, der im Laufe des Abends Stücke aus Karl Jenkins’ „Mass for Peace“ aufführte, bei der auch Celal Dogan, der Imam des deutsch-türkischen-islamischen Vereins, mit dem Ruf zum Gebet beteiligt ist, gehen fünf Schüler nach vorne. Sie stellen szenisch dar, wie wichtig den Religionen „ihr Buch“ ist, und denen, die an nichts glauben, ihre Vernunft.

Vorurteile überwinden

Aber auch, dass es Gemeinsamkeiten gibt, dass man Vorurteile überwinden und Freundschaften schließen kann. Magnus Hemmenstädt, der sich mit dem Leben des als „jüdische Brut“ geltenden, von NS-Schergen umgebrachten Hersfelder SPD-Reichstagsabgeordneten und gläubigen Christen Michael Schnabrich beschäftigt hat, stellt beispielhaft dar, was dessen Wertefundament auch heute noch bedeuten kann. Er schließt mit dem flammenden Plädoyer: „Lassen Sie uns immer für Pluralität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eintreten!“

In der sich anschließenden Diskussionsrunde beschäftigten sich Studienrat Dr. Matthias Müller, der evangelische Pfarrer und Islambeauftragte Andreas Herrmann, der Islam-Didaktiker Prof. Dr. Yasar Sarikaya sowie die Schüler Alexander Motzko und Johanna Kurz mit der Zukunft der Religionen in Europa. Sie erörterten unter anderem, ob Religionsunterricht immer „getrennt“ erteilt werden muss, und inwieweit er gebraucht wird. Die evangelische Schulpfarrerin Anneruth Heinz wies darauf hin, dass ihr wichtig gewesen sei, zu vermitteln, dass alle Schüler „wertgeschätzt“ werden, und dass man auf Basis der eigenen Identität immer wieder neu ins Gespräch kommen müsse.

Von Wilfried Apel

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