Nach dem Dioxin-Debakel: Schweinepreise sind im Keller

Züchter und Mäster machen Miese

Reiner

Hersfeld-rotenburg. Als Opfer krimineller Machenschaften in der Futtermittelindustrie sieht Friedhelm Diegel, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg, die Landwirte im heimischen Raum. „Wir Landwirte müssen die Sache zu 100 Prozent ausbaden.“ Dabei produzierten 95 Prozent der heimischen Bauern ihre Futtermittel auf dem eigenen Acker und schroteten selbst.

Nach den Dioxin-Funden im Futtermittel leiden die Landwirte im Kreis, die Ferkel aufziehen, Schweine mästen, um sie selbst zu schlachten oder zu verkaufen, unter einem rasanten Preisverfall von bis zu 30 Eurocent je Kilogramm. Pro Schwein verliert ein Mäster wie Dietmar Jillek vom Wilhelmshof in Bad Hersfeld 40 Euro.

Fleisch auf Eis

Der Fleisch-Absatz stockt selbst nach der Aufhebung von Importverboten im Ausland. Der Stau zieht sich vom Zuchtsauenbetrieb bis zur Fleischtheke. Zwar haben die EU-Agrarminister auf Initiative von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner beschlossen, verstärkt Schweinefleisch aufzukaufen und einzufrieren; von dieser Marktregulierung sind die heimischen Landwirte nicht begeistert. „Das schiebt das Problem nur nach hinten“, sagt Landwirt Reiner Hollstein aus Nentershausen Dens, denn bei jedem Ferkel, das er verkauft, 20 Euro Verlust macht. Die Produktion der Tierkinder im Bauch der Zuchtsauen kann er nicht einfach drosseln. Den Ferkelnachwuchs hat er im Oktober vorgeplant.

Friedhelm Diegel, der Vorsitzende des Kreisbauenverbandes fürchtet nun, dass viele seiner Kollegen bei der Bank Zinsaufschub beantragen müssen oder den Laden ganz dicht machen müssen.

ZUM TAGE/LOKALSEITE 9

Von Kurt Hornickel

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