250 Dinge, die wir an der Region mögen (51): Die Langen Steine bei Oberstoppel

Der Zorn des Riesen Mils

Die Langen Steine im Wald unterhalb der Burgruine Hauneck.

Oberstoppel. Entstanden sind die als Lange Steine bekannten vier riesigen Steinblöcke unweit der Burg Hauneck am Stoppelsberg bereits vor über 200 Millionen Jahren in der Erdkruste. Sie wurden aber erst durch Vulkanaktivitäten vor 20 Millionen Jahren an die Erdoberfläche transportiert. Ursprünglich waren es noch mehr Steine, die anderen wurden aber im Laufe der Zeit von Menschenhand abgetragen und in umliegenden Häusern, Burgen und Kirchen verbaut, wie etwa auch in der Stiftsruine.

Gravuren für die Ewigkeit

Anders als die Gravierungen in Bäumen, wie man sie auch im Wald um die mächtigen Steine findet, vergehen die Gravuren im Stein nicht, sondern bleiben für die Ewigkeit. Sie bezeugen das menschliche Interesse an ihnen, das ebenfalls uralt ist. Einige der stark ausgewaschenen Zeichnungen, wie etwa die eines Hundes, könnten bis zurück in die Jungsteinzeit reichen, daneben finden sich andere vermutlich germanischen Ursprungs und ein ebenfalls schwer genau zu datierender eingemeißelter Doppelgalgen.

Das Wappen Friedrichs I. von Hessen wurde im Jahr 1738 auf den Langen Steinen angebracht und schützte vermutlich vor weiterem Abbau. Foto: Oliver Desoi

Mehr verraten andere historische Künstler auf den Steinen von sich: Die vielen Jahreszahlen mit den verschiedensten Initialen, Daten wichtiger Ereignisse oder Liebesbekundungen reichen von 1569 oder 1799 bis in unsere Zeit. Die Jahresgravur 1569/70 lässt sich in Verbindung mit der Gründung der Klosterschule in Hersfeld bringen, im Jahre 1738 lässt Friedrich I. von Hessen sein Wappen auf dem Naturdenkmal anbringen und schützt es mit diesem Vorläufer des Denkmalschutzes vermutlich vor weiterem Abbau. Die in unserer Zeit ebenfalls immer mal wieder sporadisch auftretenden Beschmierungen mit Graffiti hingegen sind meistens schnell wieder entsorgt und unsichtbar gemacht.

Zeichen für die Ewigkeit

An einem Ort zu sein, der über die Jahrtausende immer wieder von Menschen aufgesucht wurde, an dem längst vergessene Menschen von groß bis klein Zeichen für die Ewigkeit setzten, lässt ein geteiltes erhabenes Gefühl zurück: Wer einmal vor den gigantischen Steinblöcken steht, fühlt etwas, was schon andere vor ihm fühlten.

Kraftplatz

Sollte es so etwas, wie Kraftplätze geben, an denen Menschen zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden, das Naturdenkmal Lange Steine in unserer Gegend wäre wohl einer und schon immer einer gewesen. Davon berichten auch die Geschichten, die sich seit Jahrhunderten um das Monument ranken: Die Sagengestalt des heidnischen Riesen Mils soll sie im Zorn von der Milseburg aus nach den ersten Christen geworfen haben, und als ein Steinmetz sie einmal zerlegen wollte, so erzählt man, sollen sich höhere Mächte mit Blitz und Donner offenbart und ihn in die Flucht gejagt haben.

Von Oliver Desoi

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