Kein Ski und kein Wegkommen: Hersfelder saßen im österreichischen Hochfügen fest – Fluchtartige Abreise wird zur Nervensache

Zitterpartie im Zillertaler Schneegestöber

Ohne Einsatz keine Heimfahrt: Erst einmal mussten Jona (links) und sein Vater Uwe Kohlstädt mit Jan Gluth den Weg frei machen von den Schneemassen in Hochfügen. Foto: privat

Zillertal. Dieses Abenteuer werden weder Hans-Georg Gluth und sein Sohn Jan aus Asbach noch Uwe Kohlstädt und Filius Jona aus Kohlhausen wohl niemals vergessen. Sie waren im Zillertal eingeschneit und schafften es nur mit viel Glück, ein Schlupfloch in die Freiheit und einen Ausweg nach Hause zu erhaschen. Die Väter gingen gestern wieder an die Arbeit, und auch der Nachwuchs konnte Träume von verlängerten Ferien in den Wind schreiben.

Auf der Piste lief nichts mehr

Die beiden Väter mit ihrem jugendlichen Ski-Nachwuchs hatten in der vergangenen Woche Quartier bezogen in Hochfügen, in absolut alpiner Höhenlage der Region Zillertal in Österreich. Das besondere an dem idyllischen Ski-Revier: Nur über eine hochalpine Höhenstraße ist der Ort mit dem Auto zu erreichen.

Und dann kam am Donnerstag der Schnee – und zwar in unglaublichen Mengen innerhalb kürzester Zeit. Die Vier schneiten ein. „An Skifahren war überhaupt nicht mehr zu denken. Der Liftbetrieb wurde eingestellt, am Freitag wurde dann Lawinenwarnstufe vier ausgerufen“, berichtet Gluth. Die Zufahrt zum Tal war von Lawinen verschüttet und nicht mehr passierbar. Donnerstag und Freitag und in banger Erwartung auch noch am geplanten Abreisetag Samstag saßen die vier also mit anderen Gästen in der kleinen Höhensiedlung fest.

„Zuhause hört sich das zunächst dramatischer an, als man es vor Ort selbst empfindet“, berichtet Hans-Georg Gluth, nachdem die Vier mittlerweile wieder wohlbehalten zu Hause sind.

„Wir waren im Hotel gut untergebracht, die Lawinengefahr für die Häuser war eigentlich nicht da. Es ging eben ansonsten nichts mehr“, berichtet er. Einige Wintercamper hatten noch rechtzeitig einen Höhenkiosk quasi komplett leer gekauft, gemeinsam mit Gästen in Ferienwohnungen.

Die vier Fuldataler hatten es im Hotel vergleichsweise komfortabel. Die Jungen malten sich natürlich schon aus wie das wäre, wenn alle am Montag wieder zur Schule müssen, nur sie überdauern noch oben am Berg im Schneegestöber.

Hubschrauber im Einsatz

Am Samstag dann kamen aber Hubschrauber zum Einsatz, um die Lage zu sondieren und auch, um aus der Luft gezielt Lawinenabgänge für die Passstraße auszulösen. Mit Erfolg. Die Straße hinunter ins Zillertal wurde von den Sicherheitskräften für gut eine Stunde freigehalten.

Da hieß es also, schnell das Auto frei zu schaufeln und Ketten aufzuziehen. Durch das zeitliche Schlupfloch sind die Vier dann hinaus gekommen aus dem Schnee-Inferno.

Dieser Aufregung folgte allerdings die Nächste. Am Achenpass war bald wieder Schluss, andere Autos hatten sich bei anhaltend starkem Schneefall festgefahren, also hieß es auch hier wieder: Nerven behalten und kühlen Kopf bewahren. Umkehren und eine neue Route suchen war das Gebot der Stunde.

Skier vergessen

Ganz ohne Ausfälle jedenfalls blieb das Erlebnis nicht. „Meine eigenen Ski stehen noch oben beim Joseph im Skiverleih in Hochfügen“, scherzt Hans-Georg Gluth. Während er die geliehenen Abfahrts-Ski im Tal abgeben konnte auf der Heimfahrt, war in den Lagen oben am Berg bis zur Abreise kein Personal durchgekommen, um seine alten Brettl herauszugeben.

Es gibt also einen guten Grund zur Wiederkehr nach Hochfügen, dessen Schneesicherheit die vier ja eigentlich zu schätzen wissen. (map)

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