Interview mit Sascha Melnjak, Direktor des Großzirkus Charles Knie, der jetzt in Bad Hersfeld gastiert

„Zirkus und nichts Anderes“

Organisator im Hintergrund: Mit dem Zirkus Charles Knie hat sich Sascha Melniak seinen Lebenstraum erfüllt. Auch das Mobiltelefon des Schwaben ist in Unternehmensfarben gestaltet. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Begrüßt wurde Sascha Melnjak, Direktor des Zirkus Charles Knie, in Bad Hersfeld mit einer Hiobsbotschaft: Der Festplatz am Hallenbad ist aufgeweicht, kurzfristig musste ein Ersatzgelände gefunden werden.

Der Zirkus schlägt seine Zelte deshalb in der ehemaligen US-Kaserne an der Leinenweberstraße auf. Wohn- und Packwagen werden am Hallenbad abgestellt. Wir sprachen mit dem gelernten Kaufmann Sascha Melnjak über seinen Lebenstraum vom eigenen Zirkus, sein Leben auf Reisen und über die Zukunft der Zirkusbranche in Deutschland.

Schnee und ein unbenutzbarer Festplatz – wünschen Sie sich an solchen Tagen ihr bürgerliches Leben als Kaufmann zurück?

Sascha Melnjak: Ja, an solchen Tagen schon. Das ist allerdings eine extreme Ausnahmesituation, die nur einmal in drei Jahren auftritt. Im Zirkus gilt das Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich denke, wir haben jetzt eine gute Lösung gefunden.

Was hat sie dazu bewogen, das Büro gegen den Zirkus zu tauschen?

Melnjak: Das war immer in Kindheitstraum. Mit sechs Jahren war ich zum ersten Mal mit meiner Oma im Zirkus. Seitdem stand für mich fest: Zirkus und nichts Anderes. Als Kind möchte man als Artist in der Manege stehen. Mit den Jahren hat sich herauskristallisiert, dass mir die Organisation liegt. Da unterscheidet sich der Zirkus nicht von einem normalen Betrieb. Mit dem Unterschied, dass wir alle paar Tage den Standort wechseln. In jeder Stadt müssen die Kontakte neu geknüpft werden. Das ist sehr reizvoll, auch wenn man häufig improvisieren muss.

Sie bereisen pro Saison 50 Städte. Haben sie Zeit, sich dort umzusehen?

Melnjak: Meistens sehe ich nur die Festplätze. Vielleicht noch einen Supermarkt, das war es.

Der Zirkus Herkules, der zuletzt in Bad Hersfeld gastiert hat, musste den Betrieb aufgeben. Hat ihre Branche in Zeiten elektronischer Unterhaltungsmedien noch eine Zukunft?

Melnjak: Ganz klar: Ja! Wenn man ein Gastspiel gut vorbereitet, wenn man Marketing betreibt und ein gutes Programm bietet, kann man die Menschen begeistern. Zur Premiere in Einbeck waren alle Vorstellungen ausverkauft und die Leute begeistert. Wir müssen oft damit kämpfen, dass vor uns ein schlechter Zirkus in der Stadt war. Die hinterlassen verbrannte Erde. Wenn die Leute einmal enttäuscht wurden, ist es schwierig, sie zum Zirkusbesuch zu überreden.

Sie setzen auf Qualität?

Melnjak: Absolut, auch wenn die Tageskosten dafür immens sind. Ich würde nie ein Programm anbieten, das ich mir selbst nicht anschauen würde. Ich komme aus bürgerlichen Verhältnissen und mache den Zirkus, wie er mir als Zuschauer gefallen hat.

Tierschützer werfen ihrem Unternehmen einen rücksichtslosen Umgang mit den Tieren vor.

Melnjak: Die behaupten, dass die Tiere im Zirkus unter Stress leiden. Unsere Tiere sind sehr ausgeglichen und menschenbezogen, weil sie es von klein auf gewöhnt sind. Wenn wir von einer Stadt zur nächsten fahren, steigen die Tiere mit der gleichen Selbstverständlichkeit in den Transportwagen, wie ein Hund in den Kofferraum springt. Sie werden sogar unruhig, wenn wir länger im gleichen Ort bleiben. Die Tierrechtler – Tierschützer möchte ich die nicht nennen – arbeiten oft mit Unwahrheiten. Die wollen als erstes die Tiere im Zirkus verbieten, als nächsten Schritt die Haustiere und dann alle Menschen zu Veganern erziehen. Diese radikale Ideologie teilt wohl kaum jemand. Die sind häufig auf Spendengelder aus, das Wenigste davon kommt aber wirklich den Tieren zu Gute.

Wo ist das Publikum denn besser? In Großstädten wie Hamburg oder kleineren Städten wie Bad Hersfeld?

Melnjak: In Kleinstädten ist ein großer Zirkus natürlich noch eine richtige Attraktion. In Hamburg hat man eine große Konkurrenz durch Musicals und andere Kultureinrichtungen. Trotzdem hatten wir dort im vergangenen Jahr vier Wochen lang fast jeden Tag ausverkaufte Vorstellungen. Manchmal fährt man nur 50 Kilometer und hatte in einer Stadt ein super Publikum und in der nächsten ist es schwierig, die Leute überhaupt zum Besuch zu animieren. Da gibt es keine schlüssige Erklärung.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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