Großteil der Hoteliers geben Steuergeschenk nicht an Gäste weiter – sie investieren

Zimmer neuer statt billiger

Alles neu: Hotelier Achim Kniese sitzt in einem völlig neu eingerichteten Zimmer im Romantik-Hotel Zum Stern in Bad Hersfeld. Die Renovierung ermöglicht hat die Mehrwertsteuererhöhung für Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent. Montage: Strecker

Hersfeld-Rotenburg. Die Hoteliers aus Waldhessen und ganz Deutschland zahlen seit 1. Januar nicht mehr 19 Prozent Mehrwertsteuer auf die Hotelübernachtungen in ihren Häusern, sondern sieben Prozent. Hotelbesitzer im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gehen unterschiedlich mit dem Steuergeschenk der Bundesregierung um. Einig ist man sich aber, dass jetzt wieder mehr Personal eingestellt werden soll.

„Die Belegungen der Hotels liegen durchschnittlich bei unter 50 Prozent. Wir hatten gar keine Luft mehr, um in unsere Häuser zu investieren“, sagt Hanns-Karl Madelung, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Waldhessen. Er möchte an seine Gäste des Hotels Wenzel in Bad Hersfeld fünf der zwölf Prozent Steuersenkung weitergeben, also die Übernachtungen etwas günstiger gestalten. „Dann bleibt übers Jahr noch genug Geld übrig, um noch jemanden einzustellen. Das habe ich gemacht. Achim Kniese, dem in Bad Hersfeld das Hotel am Kurpark und das Romantik-Hotel Zum Stern gehören, setzt ganz auf Modernisierung: „Bei uns bleiben die Zimmerpreise stabil, wir erhöhen auch im dritten Jahr nicht. Dafür bekommen die Leute renovierte Zimmer mit kostenlosem W-Lan und Flatscreen-Fernsehern.“

Im Romantik-Hotel wurden bereits 30 von 45 Zimmern erneuert, während im Hotel am Kurpark jetzt noch 49 von 94 Zimmer gemacht werden sollen. „Die Mehrwertsteuersenkung ist ein Gewinn für uns, der das Investieren in die Häuser wieder möglich macht“, sagt Kniese. Wie sehr die Gewinnspanne jetzt erweitert wird, möchte Kniese nicht sagen. Es reiche, um neben den Erneuerungen eine Malerin ganztags einzustellen, die nur für die Hotels zuständig ist. Außerdem sollen zum 1. Februar Hoteldirektoren eingestellt werden, während zwei neue Auszubildende anfangen.

Auch Familie Göbel, Betreiber der gleichnamigen Hotelkette, die unter anderem das Hotel Rodenberg sowie das Posthotel in Rotenburg und das Schlosshotel Prinz von Hessen in Friedewald betreibt, wird die Übernachtungspreise nicht senken. „Mit den zusätzlichen Einnahmen durch die Senkung der Mehrwertsteuer sollen noch mehr Investitionen gemacht werden“, sagt Marion Arens, Pressesprecherin von Göbel Hotels.

Insgesamt sind für die kommenden drei Jahre drei Millionen Euro dafür veranschlagt. Im Hotel Rodenberg sollen beispielsweise zur neuen Indoor-Spielhalle noch zusätzliche Zimmer hinzukommen. Außerdem sollen im Tagungsbereich Neuerungen folgen.

Geschäftsreisende, die diese Dinge in Anspruch nehmen, haben beim Steuergeschenk generell das Nachsehen. Statt 19 Prozent können sie sich in Zukunft lediglich sieben Prozent des Hotelübernachtungspreises vom Finanzamt wiederholen. Laut Achim Kniese gibt es im Landkreis nicht wenige Hotelgäste, die geschäftlich unterwegs sind. Falls sie durch die etwas höheren Preise erst einmal ausbleiben sollten, müsse man das aussitzen. Dass es soweit kommt, glaubt er aber nicht.

Von Judith Strecker

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