Fahrgäste fühlen sich im Cantus ohne Personal unsicher

Ziel: Züge sollen im Kreis nicht unbegleitet fahren

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Unsicher: Viele Fahrgäste wollen nicht mehr mit unbegleiteten Zügen fahren.

Hersfeld-Rotenburg. Die Sicherheit in Zügen ist nicht erst seit den Vorkommnissen in einem bayrischen Regionalzug ein Thema. Schon im Frühjahr, also Wochen vor dem Angriff eines mutmaßlichen Islamisten auf Fahrgäste, hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) eine bundesweite Umfrage zum Thema gestartet. „Die Ergebnisse waren schon erschreckend“.

Das erklärt Thomas Mühlhausen, Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Bebra. Zwar schlüsselt die Umfrage die Ergebnisse nicht regional auf, doch auch er habe von Zugbegleitern aus den Cantus-Zügen der Region gehört, dass „Bespucken an der Tagesordnung sei, Beleidigungen ohnehin“. Einen Streit mehrerer Männer, der sich von Bad Hersfeld bis Rotenburg gezogen habe, habe er selbst miterlebt, berichtet der Gewerkschaftler. „Der Respekt gegenüber dem Personal sinkt“, fasst er zusammen. 

Laut Mühlhausen fahren nur in jedem vierten Cantus-Zug Zugbegleiter mit – höchstens einer. „Da haben die Fahrgäste keinen Ansprechpartner mehr. Viele überlegen sich auch in unserer Region, ob sie nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Zug fahren wollen.“ Sabine Herms, Pressesprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbunds, bestätigt die von Mühlhausen genannten Zahlen, präzisiert aber: An Wochenenden sei jeder zweite Zug begleitet. 

Und bei neu geschlossenen Verträgen strebe der NVV an, dass kein Zug mehr unbegleitet fährt. Das sei jetzt schon auf den Regionalexpress-Strecken von Kassel nach Frankfurt, Hagen, Halle und Erfurt der Fall und soll ausgeweitet werden. „Wir wissen aus Gesprächen, dass es immer wieder Fälle von Beleidigung und Bedrohung gibt“, sagt Herms. „Das betrifft aber alle Lebensbereiche.“ Sie spricht von Mehrkosten für den NVV. Thomas Mühlhausen glaubt, dass sich der Einsatz von mehr Personal quasi selbst finanziert, da durch die Kontrollen auch mehr Schwarzfahrer erwischt werden.

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