„Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ bot beste Unterhaltung

Zickenkrieg in der Stadthalle

Bad Hersfeld. Eine bitterböse Komödie zeigte das städtische Theater-Abonnements jetzt in der gut gefüllten Stadthalle Bad Hersfeld. Das Tourneetheater Euro-Studio Landgraf gastierte mit dem Stück „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser.

Theresa Walser, jüngste Tochter des Literaten Martin Walser, ist heute eine der meistgespielten Dramatikerinnen auf deutschsprachigen Bühnen. Der Titel des Stücks entstammt einem Gedicht des Diktators Gaddafi, in dem er sich zu einem vom Volk unverstandenen Herrscher stilisiert.

Frauen ehemaliger Diktatoren

In dem Stück geht es um drei Ehefrauen ehemaliger Diktatoren: Frau Margot, Frau Imelda und Frau Leila. Die Ähnlichkeiten der drei Figuren mit Margot Honecker, Imelda Marcos und Leila Ben-Ali sind weder zufällig noch unbeabsichtigt.

Das Stück ist ein Feuerwerk von Pointen, maliziöser Schlagfertigkeit und zynischen Zitaten der Niederträchtigkeit. Beispielhaft die Texte: „Wo kein Volk ist, muss auch nicht gewunken werden“, „Empfindlichkeit ist kein Verbrechen“ oder „Von diesem ständigen Freiheitsgebimmel wird mir schlecht und ich kriege Schüttelfrost“.

In witzigen Dialogsequenzen werden die Strukturen der Diktatorengattinnen als „Spielerfrauen der Politik“ mit ihrem zweifelhaft wahnhaften Weltbild hergestellt. Die drei Egomaninnen hadern mit den Differenzen zwischen ihrer Selbstwahrnehmung und ihrer Außendarstellung. Zwischen dem leibhaftigen Gegenstand, der Verkörperung der Macht und ihrem Abbild klafft ein immer größerer Riss, der die eigentlichen Abgründe enthält.

Befreiendes Gelächter wird provoziert, das Lachen über die Schrecklichkeiten offenbart das Bizarre der Gedanken und Argumentationsmuster.

Stimmig zusammengestellt

Regisseur Hans Hollmann hat eine stimmige Zusammenstellung der vier Rollenparts gefunden: Doris Kunstmann, ein Fossil der deutschen Theater- und Filmwelt, gelingt es, die Oberflächlichkeit und Extravaganz der Frau Imelda in allen Schattierungen dem Publikum näher zu bringen. Der ehemaligen Schönheitskönigin aus Manila geht eben nie aus dem Kopf, dass sie ohne Blumen ist. „Wo ich saß, waren Blumen“.

In der Rolle der Frau Margot brilliert markant Reinhild Solf. Bei ihren Szenen ist zu spüren, dass Teile des Publikums sich deutlich an die Auftritte von Margot Honecker als „Lila Drache“ in der DDR erinnern.

Kapriziös

Die vor allem aus der Telenovela „Rote Rosen“ bekannte Saskia Valencia zeichnete als Frau Leila, kapriziöse jüngste Ausgabe der Diktatorenfrauen, nachhaltig deren Konturen.

Ole Eisfeld in der Rolle des Dolmetschers zeigt sich als gewiefter Drachendompteur. Er nutzt alle Register seines Metiers: Verwechslung, Verharmlosung, Verdunkelung und Verdummung. Die Spanne geht von der Aussagelosigkeit bis hin zur Verkehrung ins Gegenteil. In überzeugender Manier löste Eisfeld seine Aufgabe als Brückenbauer zwischen den drei Damen.

Langanhaltender herzlicher Beifall verabschiedete das Ensemble. Die Aufführung machte den Zuschauern Appetit auf die Dezembervorstellung des Theater-Abos „Loriots Erzählungen“. (ast)

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