Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit vermutet gezielt vorbereitete Tat

Zerstörung macht betroffen

Bad hersfeld. Von einer „gezielt vorbereiteten Tat“ spricht Werner Schnitzlein, der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, mit Blick auf die Beschädigung der Gedenktafel für die ermordeten Bad Hersfelder Juden am Schillerplatz. Die halb abgeschraubte und beschädigte Tafel ist von einem Passanten am Mittwochabend, 13. Mai, entdeckt worden.

Die Polizei hatte gemeldet, dass die beiden oberen Schrauben der Gedenktafel vermutlich mit einem Werkzeug gelöst und dann die beiden unteren Schrauben mit Gewalt aus der Tafel gehebelt worden waren. Dabei war die Tafel, für deren Anschaffung die Gesellschaft seinerzeit 430 Euro bezahlt hatte, zerbrochen.

„Zum Lösen der Schrauben war Werkzeug nötig, das man nicht in der Hosentasche mit sich trägt“, betont Schnitzlein. Er findet auch den Zeitpunkt der Tat bemerkenswert: einen Tag vor dem Gedenk-Datum der Gründung des Jüdischen Staates im Jahr 1948 und wenige Tage nach den Feierlichkeiten zur Aufnahme der deutsch-israelischen Beziehungen vor 50 Jahren.

Fast 100 Namen stehen auf der Tafel, Namen von „Hersfelder Jüdischen Bürgern, die von den Nationalsozialisten in Auschwitz, Buchenwald, Kowno, Lodz, Minsk, Riga, Sachsenhausen und Theresienstadt ermordet wurden oder im Osten verschollen sind“, betont Schnitzlein. Die Tafel gehört zur Gedenkstätte, die 1988 gegenüber der ehemaligen Synagoge errichtet wurde, welche am 8. November 1938 als erste in Deutschland im Zuge der „Novemberpogrome“ angezündet worden war.

Schicksale der Ermordeten

Hinter diesen Namen stehen nicht nur die Schicksale der dort genannten Ermordeten, sondern auch die der Menschen, die die Hersfelder Region unter zum Teil sehr dramatischen Umständen noch rechtzeitig verlasssen konnten – und jener sechs Millionen Opfer des Holocaust in Europa.

„Es geht hier längst nicht nur um „Sachbeschädigung“ – egal, was die Tafel und deren Wiederherstellung kosten mag – sondern um das mahnende Gedenken, um einen verantwortlichen Umgang mit der Geschichte“, macht Werner Schnitzlein deutlich.

Die Hersfelder Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sei vor 30 Jahren unter anderem als Reaktion darauf gegründet worden, dass die Stadt mit Treffen ehemaliger Mitglieder der Waffen-SS weltweit als „braun“ in Verruf gekommen war, erinnert deren Vorsitzender. Heute will auch das soeben neu gegründete „Bündnis bunt statt braun“ hier einen Gegenpol auf breiter Basis bilden.

Die Polizei Bad Hersfeld hat noch keine Spur von dem oder den Tätern, teilt deren Sprecher Manfred Knoch auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Kripo habe den Vorgang übernommen. Weiterhin bittet die Polizei um Zeugenhinweise unter Telefon 06621/9320. (red/zac)

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