Wandel-Ausstellung: Kulturvereine verlangen Entschuldigung vom Bürgermeister

„Zensur in Bad Hersfeld“

Die Künstlerin Renate Wandel vor einem Exponat in ihrer Ausstellung. Foto: Heißler

Bad Hersfeld. Die Kulturvereine in Bad Hersfeld protestieren weiter gegen die vorübergehende Schließung der Ausstellung von Renate Wandel in der Galerie in Stift. Sie kritisieren die „Zensur in Bad Hersfeld“. Wie berichtet hatte die renommierte Künstlerin dort ihre Exponate zum Thema Theater mit aktuellen Zeitungsartikeln zum Festspielstreit versehen. Auch eine Karikatur von Bürgermeister Fehling wurde gezeigt.

Inzwischen ist die Ausstellung wieder geöffnet, allerdings offenbar unter der Auflage, die ausgestellten Exponate nicht mehr zu verändern.

In einem offenen Brief haben sich jetzt der Verein für Kultur & Kommunikation, der Kunstverein Bad Hersfeld, der Verein für visuelle Kommunikation sehreich, das Grebekellerteam und die Freunde der Stiftsruine an Bürgermeister Fehling gewandt.

Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut:

„Die Gedanken sind frei“ sangen die Mitglieder des Festspielensembles. Für die Stadt Bad Hersfeld gilt offensichtlich: Gedanken mögen frei sein, aber sie dürfen nicht geäußert werden.

Am Freitag, dem 1. August wurde die Ausstellung der Künstlerin Renate Wandel „Alles Theater“ in der städtischen Galerie im Stift geschlossen, weil sie angeblich den Bürgermeister verunglimpft habe.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten … Eine Zensur findet nicht statt. (…) Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“

Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 1 und 3.

Durch die Schließung der Ausstellung wurde Frau Wandel in ihrem Grundrecht der Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Freiheit der Kunst ist verletzt.

Die unterzeichnenden Vereinigungen und Organisationen, die der Förderung von Kunst, Wissenschaft und Bildung in unserer Stadt verpflichtet sind, verurteilen entschieden die Schließung der Ausstellung und die Verletzung von Grundrechten.

Wir sind besorgt und empört, dass als Folge der Konflikte um die fristlose Kündigung des Intendanten der Festspiele die Liberalität und die fundamentalen Grundrechte in unserer Stadt beschädigt werden.

Wir erwarten eine eindeutige Entschuldigung des Bürgermeisters – als politisch und juristisch Verantwortlichem – gegenüber Frau Wandel.

Wir fordern, die Ausstellung in der von Frau Wandel in künstlerischer Freiheit gestalteten Form wieder zu öffnen und sie bis zum mit der Stadt vertraglich vereinbarten Termin, dem 17. 08. 2014, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Selbstverständlich kennen und beachten wir auch Absatz 2 der Artikels 5 im Grundgesetz: „Die Rechte finden ihre Schranke …. in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Wenn Herr Bürgermeister Fehling durch Frau Wandel und ihre Werke beleidigt oder einer strafwürdigen Schmähkritik ausgesetzt wurde beziehungsweise wird, so ist es alleinige Angelegenheit der Gerichte, dies festzustellen und den Schutz der persönlichen Ehre zu gewährleisten. (red/kai)

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