Hätte eine automatische Entrauchung Leben retten können? Stellungnahmen von Fachleuten aus der Region

Zeitgewinn kann entscheidend sein

Udo Jung

Hersfeld-Rotenburg. Unter Brandschützern ist es eine Binsenweisheit, dass die Rauchgase gefährlicher sind als die Flammen selbst. Deswegen hat das Feuer, das am Montag in einer Behindertenwerkstatt in Titisee 14 Menschen das Leben kostete, die Diskussion um eine automatische Entrauchung wieder angestoßen.

„Der Zeitgewinn ist entscheidend,“ sagt Udo Jung, Geschäftsführer des Ventilatoren-Herstellers TROX TLT in Bad Hersfeld, denn bei entsprechender technischer Vorrichtung würden die giftigen Gase vom Moment des Alarms an kontrolliert über das Dach oder die Außenfassade abgesaugt.

Eine ähnliche Einrichtung hat TROX TLT erst vor wenigen Wochen in der Bad Hersfelder Schilde-Halle demonstriert (siehe auch „Journal Wirtschaft“ in unserer gestrigen Ausgabe).

In Titisee sei es um gerade einmal sechs Minuten gegangen, hat Jung erfahren. Dann sei die Feuerwehr schon vor Ort eingetroffen. Auch ansonsten habe der Brandschutz den gültigen Vorschriften entsprochen. „Trotzdem sind dort 14 Personen gestorben. Inwieweit eine funktionierende Entrauchungsanlage Menschenleben gerettet hätte, ist natürlich rein spekulativ. Eine genaue Analyse des Brandereignisses muss folgen“, macht Jung das Dilemma deutlich.

Denn natürlich ist er sich bewusst, dass der Brandschutz beim Bau als Kostentreiber gilt. „Doch wenn alles immer billiger werden soll, kann das eben auch schief gehen,“ sagt Jung und ist gespannt, welche Konsequenzen aus der Katastrophe von Titisee gezogen werden.

Vor Kurzem überprüft

„Ventilatoren sind die optimale Lösung, aber auch eine Kostenfrage,“ bestätigt Helge Assi, der bei der Bauaufsicht der Stadt Bad Hersfeld für die Gefahrenverhütung zuständig ist. Er hat sich erst vor Kurzem gemeinsam mit Stadtbrandinspektor Thomas Daube in der Behindertenwerkstatt der Sozialen Förderstätten für Behinderte im Helfersgrund über den Brandschutz informiert und die Vorkehrungen mit Rauchnmeldern und einer internen Warnanlage für gut befunden. Als Vorteil sieht er zudem die ebenerdige Lage des Gebäudes an. Das trifft auch auf die weitere Werkstatt „Lichtblick“ am Weinberg zu.

Johannes van Horrick, Fachbereichsleiter der Bad Hersfelder Bauverwaltung, weist zudem auf die regelmäßigen Überprüfungen durch seine Behörde hin. „Erstes Ziel ist es, dass die Leute wegkommen,“ sagt van Horrick.

Von Karl Schönholtz

Kommentare