Die 17-jährige Azize Avci aus Hersfeld begeht den islamischen Fastenmonat Ramadan

Zeit des Zusammenseins

Keine Ängste entstehen lassen: In der Bad Hersfelder Moschee an der Dudenstraße werden die Kinder der islamischen Gemeinde von Vorbeter Celal Dogan (rechts) über den Ramadan aufgeklärt. Für Azize Avci (Mitte) ist der Fastenmonat eine Zeit der Gemeinschaft und des Nachdenkens. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Azize Avci muss nicht lange überlegen. „Das Schönste an Ramadan“, sagt die 17-jährige Schülerin aus Bad Hersfeld mit einem Lächeln, „ist das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft.“

Über das restliche Jahr hinweg sei jeder Tag anders getaktet, selten komme man mit Familie, Freunden und Gemeindemitgliedern zusammen. Während des islamischen Fastenmonats hingegen ist alles anders. „Wenn die Sonne untergegangen ist, sitzen wir alle an einem Tisch. Wir werden von Freunden eingeladen oder empfangen selber Besuch“, erklärt Azize Avci. Oft bleibe ihre türkische Familie bis vier Uhr in der Nacht wach, esse, trinke Tee und genieße die Zeit miteinander. „Vor Sonnenaufgang nehmen wir das Sahur, ein Frühmahl, ein. Meist lohnt es nicht, sich noch einmal schlafen zu legen“, sagt die 17-Jährige.

„Heißer Monat“ ist nur eine von vielen Bedeutungen des Wortes Ramadan. Passend dazu bot der Juli Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke und eine trocken-heiße Witterung. Die Sonnenstunden müssen die gläubigen Muslime ohne zu trinken überstehen.

Laut Azize Avci aber alles eine Sache der richtigen Einstellung: „Das ist eine reine Kopfsache. Wenn man den Willen hat, fällt das Durchhalten auch nicht schwer.“ Azize Avci ist wie ihre beiden Schwestern Emel und Selma mit dem Islam aufgewachsen. Heute lebt die junge Frau ihren Glauben ganz bewusst – und dazu gehört auch das Tragen eines Kopftuches. „Probleme gab es deswegen nie“, sagt die 17-Jährige, die noch bis vor einem Jahr die Gesamtschule Geistal besuchte und dann auf ein Privatgymnasium nahe Paderborn wechselte. „Zur Fastenzeit waren die Lehrer sehr rücksichtsvoll – auch im Schulsportunterricht“.

Ihre deutschen Freunde hätten dann auch nie vor ihr gegessen oder getrunken. Manchmal versteckten sie ihr Essen sogar, um Azize nicht in Verlegenheit zu bringen: „Diese kleinen Gesten haben mich wirklich gerührt“. Die 17-Jährige will nicht verhehlen, dass es auch Fastentage gibt, an denen sie sich schwach fühle. So seien die ersten drei Tage immer die schwersten. Dann ist der Körper noch nicht auf den Rhythmus eingestellt, der in den kommenden vier Wochen das Leben bestimmt.

Ein neuer Anfang

Dennoch freut sie sich die Schülerin in jedem Jahr wieder auf Ramadan. Das Gefühl nach dem Fastenmonat sei vergleichbar mit dem zu Neujahresbeginn. „Schließlich ist dieser Monat auch eine Gelegenheit, seinen inneren Schweinehund zu überwinden und Körper und Geist zu reinigen“, sagt Azize Avci.

Der Verzicht auf Nahrung relativiere auch die Verhältnisse. „Zu Ramadan denken wir Muslime an die Ärmsten – denn eigentlich geht es uns in Deutschland doch richtig gut.“

Von Emily Spanel

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