Kunden wollen Räder wechseln – Werkstätten haben alle Hände voll zu tun

Zeit für Winterreifen

Voll im Einsatz: Werkstattbesitzer Hartmut Freisinger (links) und Meister Frank Backert müssen derzeit immer wieder Reifen auf- und abziehen. Foto: Stehr

Bad Hersfeld. Autotüren schlagen, das Telefon klingelt, Männer und Frauen geben sich die Klinke in die Hand. In der Autowerkstatt von Hartmut Freisinger im Bad Hersfelder Ortsteil Sorga geht es zurzeit zu wie in einem Taubenschlag. Es ist die Zeit des Reifenwechselns.

„Seit etwa zwei Wochen ist das so“, erklärt Frank Backert, der Werkstattmeister. Seit die Temperaturen zum ersten Mal in diesem Herbst Richtung Gefrierpunkt gesunken sind, denken die Autofahrer daran, von Sommer- auf Winterreifen zu wechseln.

„Einige lassen sich Termine geben, andere kommen einfach vorbei“, erzählt Beckert während er zwischen gestapelten neuen Winterreifen steht. Überall türmen sich in der Werkstatt größere und kleinere solcher schwarz-glänzender Stapel.

„Bereits bei Temperaturen von sechs bis sieben Grad plus sollten die Reifen getauscht werden“, sagt Beckert. Außerdem sollten Winterreifen nicht länger als fünf bis sechs Jahre gefahren werden. „Sie bestehen aus einer weichen Gummimischung und härten mit der Zeit aus“, erklärt der Fachmann.

Vier Millimeter Profiltiefe

Manchmal rät Beckert Kunden dazu, sich neue Reifen anzuschaffen. „Der Gesetzgeber schreibt zwar bei Winter- wie Sommerreifen nur 1,4 Millimeter Profiltiefe vor. Ich denke, bei Winterreifen sollten noch mindestens vier Millimeter vorhanden sein“, erklärt der Werkstattmeister und ist sich mit seinem Chef einig: „Wenn wir es nicht verantworten können, ziehen wir abgefahrene Reifen nicht mehr auf.“

Ansturm bei Schneefall

Früher sei es oft passiert, dass die Autofahrer ihre Reifen erst nach dem ersten Schneefall gewechselt hätten. „Das gibt es heute auch noch, dann kommt der zweite große Ansturm“, sagt Hartmut Freisinger. Doch viele Fahrer seien inzwischen durch die Medien darüber aufgeklärt, dass es für die Sicherheit wichtig sei, Winterreifen aufzuziehen.

Während er das erklärt, klingelt wieder das Telefon. Ob ein Reifenwechsel möglich sei. „Ja, natürlich.“ „Am besten noch heute“, sagt der Kunde. Freisinger und sein Mitarbeiter versuchen es möglich zu machen. Die alltägliche Arbeit mit Reparaturen, Klimawartung, elektronischer Motordiagnose und Scheibenreparaturen sowie TÜV und Abgas-Untersuchungen müssen ja auch weiterhin erledigt werden. Auf dem Hof und der angrenzenden Straße parken Autos aller Marken und Modelle und warten darauf, auf die Hebebühne gehoben zu werden.

„Meist stehen die Autos hier zwei bis drei Stunden und werden dann wieder abgeholt. Einige Kunden wollen aber auch warten“, berichtet der Werkstatt-Besitzer. Nebenbei bestellt er für zwei Kunden noch ein Taxi, damit sie ohne ihr Auto nach Hause kommen.

Kaum aufgelegt klingelt das Telefon wieder. „Reifenwechsel? Ja, kein Problem.“

Von Claudia Stehr

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