Montagsinterview zur lange verzögerten Fusion der Studienseminare in Bebra

Zeit für weißen Rauch

Warten auf die Lehrerausbildung: Am Staatlichen Schulamt in Bebra sollen seit fünf Jahren die beiden Studienseminare aus Bad Hersfeld und Eschwege zusammengeführt werden. Bisher wurde mit dem notwendigen Anbau an das Gebäude noch nicht einmal begonnen. Foto: Janz

Bebra. Die Studienseminare aus Bad Hersfeld und Eschwege, wo Referendare aus- und Lehrer fortgebildet werden, sollen in Bebra zusammenziehen. Die grundsätzliche Entscheidung ist bereits im Juni 2007 gefallen, doch bisher ist nichts passiert. Mit dem geplanten Anbau an das Gebäude des Staatlichen Schulamts in Bebra wurde noch nicht einmal begonnen. Wir sprachen mit Bebras Bürgermeister Horst Groß (CDU), wie der Stand der Dinge ist.

Herr Groß, wenn Sie aus dem Rathausfenster auf das benachbarte Schulamt schauen, ärgern Sie sich da eigentlich?

Horst Groß: Keinesfalls, im Gegenteil: Ich freue mich riesig, dass das Schulamt in Bebra angesiedelt worden ist und wir nach anfänglichen Geburtswehen so ausgezeichnet zusammenarbeiten.

Aber dass das Studienseminar noch nicht nach Bebra verlegt wurde, brennt Ihnen schon auf den Nägeln.

Groß: Selbstverständlich nagt das in mir. Immerhin haben wir schriftliche Zusagen, sogar ein Eröffnungstermin für das Studienseminar ist uns schon einmal vom Kultusministerium mitgeteilt worden.

Vergangene Woche war Kultusministerin Nicola Beer in Breitenbach. Haben Sie sie auf das Thema angesprochen?

Groß: Aber natürlich. Die Kultusministerin hat mir zugesagt, die Angelegenheit noch einmal höchstpersönlich zu überprüfen und sobald wie möglich zu einer Entscheidung zu kommen.

Beer ist inzwischen die vierte Ministerin, die sich mit dem Thema beschäftigen muss. Warum hat es sich so lange hingezogen?

Groß: Zunächst einmal musste wohl die Entscheidung über die Schulamtsstandorte abgewartet werden. Schließlich war nicht klar, ob das Amt in Bebra erhalten bleibt. Das ist aber jetzt schon eine gewisse Zeit her, sodass es endlich angesagt ist, weißen Rauch aufsteigen zu lassen.

Das hört man an den beiden Standorten aber nicht gerne, wo bisher die Studienseminare angesiedelt sind. Was sagen Sie den Kritikern, die gegen eine Fusion sind?

Groß: Ich kann ja verstehen, dass man in Bad Hersfeld und Eschwege nicht nur begeistert über die Verlagerung ist. Ein gemeinsames Studienseminar in Bebra ist aber auf jeden Fall besser, als wenn die Lehrerausbildung noch weiter weg stattfindet.

Sie spielen darauf an, dass die Referendare für Gymnasien schon jetzt in Kassel und Fulda sitzen. Ihrer Ansicht nach geht es also darum, die Lehrerausbildung überhaupt in der Region zu halten?

Groß: Genau das ist das Thema! Wir haben hier auf dem flachen Land alle Voraussetzungen. Warum um alles in der Welt müssen denn noch mehr Dienststellen nach Kassel oder Fulda verlagert werden? Da gibt es doch nun schon wirklich genug. Warum müssen wir denn hier immer weiter ausbluten?

Die Pläne für den Anbau ans Schulamt in Bebra haben Sie schon in der Schublade. Wenn das Ministerium die Zusage für das Geld gibt, wann kann es dann losgehen?

Groß: Also das kann ich Ihnen ganz genau sagen: Wenn Wiesbaden grünes Licht für den Umzug gibt, dann rollen hier in kürzester Zeit die Bagger an. Ich kenne das Unternehmen. Das geht dann ruckzuck!

Von Marcus Janz

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