Beim Fastenbrechen im Ramadan beten Muslime besonders für notleidende Menschen

Zeit des Bewusstwerdens

Das Miteinander stärken: Im Ramadan treffen sich viele Muslime abends zum gemeinsamen Fastenbrechen. Auch die Moschee ist in dieser Zeit immer besonders gut besucht. Emine, Azize und Emine (v.l.n.r.) haben viel Spaß bei Emel. Fotos: Becker

Bad Hersfeld. Emel Ünal schaut auf den Wecker in ihrem Regal. Es ist kurz nach halb neun am Abend. „Noch zehn Minuten!“ ruft dann. Ihre Wohnung ist erfüllt von Essensgerüchen und dem fröhlichen Geplauder von neun Frauen, ein buntes Gemisch aus Deutsch und Türkisch.

Fünf Minuten später sitzen alle an dem großen Tisch im Esszimmer. Niemand beginnt zu essen, alle warten. Plötzlich meldet sich der Wecker zu Wort: „Gott ist einzigartig, Mohammed ist sein Prophet, kommt zum Gebet“, schallt es in arabischer Sprache aus seinen Lautsprechern. Die Frauen greifen in eine Schale mit Datteln und beginnen zu essen - das Fasten ist gebrochen. Ein Ritual wie dieses spielt sich seit etwas mehr als einer Woche in fast allen muslimischen Familien ab, denn in der islamischen Welt wird Ramadan gefeiert.

30 Tage lang

„Einmal im Jahr fasten wir Muslime für genau 30 Tage“, erklärt Emel. „Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang essen und trinken wir nicht.“ Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam und wird deshalb als religiösen Pflicht betrachtet. „Für uns ist Ramadan aber kein Zwang“, stellt Emel richtig, während sie riesige Essensportionen zu ihren Gästen balanciert. „Wir freuen uns auf den Fastenmonat.“

Heute gibt es gefüllte Weinblätter, dazu Kartoffeln, Reis und Hähnchen. Als Getränke gibt es von Limo bis Mulitvitaminsaft so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, nach dem Essen wird traditionell Tee serviert. Kein Muslim wird kritisiert, wenn er nicht am Ramadan teilnimmt. „Das ist eine Sache zwischen dem Einzelnen und Gott“, erklärt Emel.

Schwangere, stillende oder menstruierende Frauen, kleine Kinder sowie kranke Menschen sind vom Fasten ausgenommen. In der Zeit des Ramadan wird das islamische Gebet ausgeweitet.

Viele Muslime beten an diesen Tagen vor allem auch für die Menschen, die nichts zu essen haben. „Man isst den ganzen Tag nichts, weiß aber immer, dass sich das am Abend ändert“, erklärt Emel. „Arme Menschen hingegen wissen nicht, was sie essen werden, weil sie nichts haben, daran wird man im Fastenmonat besonders erinnert.“

Verständnis bei Lehrern

Hinderlich sei ihr das Fasten im Alltagsleben noch nie gewesen. Das kann die 16-jährige Hilal, die noch zur Schule geht, bestätigen: „Mein Sportlehrer akzeptiert das, wenn ich dann nicht am Dauerlauf teilnehme.“

Sie hat sich bereits früh dafür entschieden, am Ramadan teilzunehmen. „Die ersten Tage sind etwas anstrengend, aber man gewöhnt sich daran“, meint Hilal. „Abends fange ich dann aber wirklich auf die Minute an zu essen!“

† Beim nächsten Mal: Der Besuch in der Moschee

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