Modemacher setzen auf Beinfreiheit, die Arbeitgeber allerdings meistens nicht

Zeigt her eure Beine

Business mit Beinfreiheit: Boss Black zeigt, wie es geht. Foto: dpa

Bad Hersfeld. Seit Tagen lacht in Bad Hersfeld die Sonne unermüdlich vom Himmel. Auch ein kleines Sommergewitter konnte dem warmen Wetter nichts entgegensetzen und so schwitzen wir auch weiterhin bei Temperaturen, die man höchstens in Badehose und Bikini als angenehm empfinden kann. Lange Hosen, Socken, die über die Knöchel reichen oder ein Jacket zählen jedenfalls nicht zu den Kleidungsstücken, die man bei dieser Hitze tragen möchte. Dennoch gehören sie für viele Männer zum Berufsalltag dazu.

Auch bei der Sparkasse Bad Hersfeld sind lange Hosen Pflicht. „Das gehört einfach zu unserer Philosophie als Dienstleister“, erklärt der Leiter des Vorstandssekretariats, Wolfgang Kurth. „Das wird von den Kunden auch so erwartet.“ Angesichts der Temperaturen seien jedoch auch Kurzarmhemden erlaubt. Ein Jacket ist nicht zwingend nötig.

Langes Bein muss sein

Ähnlich sieht es auch die Personalabteilung der VR-Bank. Ein dunkler Anzug gehöre zum Erscheinungsbild eines Bank-Mitarbeiters einfach dazu. Bei dem heißen Wetter erkläre es sich aber von selbst, dass die Krawatte auch mal gelockert und das Hemd auch mal kurzärmlig sein dürfe, meint Ronald Englich.

Auch die Mitarbeiter der Kreisverwaltung sind dazu angehalten, sich angemessen zu kleiden, so Pressesprecher Michael Adam. Eine Anzugpflicht besteht allerdings in den meisten Fällen nicht. Trotzdem ist auch hier zu legere Freizeitkleidung tabu.

Diesen Vorschriften zum Trotz präsentierten viele Modedesigner auf den diesjährigen Fashion Weeks überraschen freizügige Businessbekleidung, bei denen vor allem viel männliches Bein gezeigt wird.

Nein zum Stilmix

„Für die Großstadt ist so etwas toll“, findet Heidi Beekhuig vom Bekleidungsgeschäft légère in Bad Hersfeld. „Hier würde man mit solch einer Mode am Arbeitsplatz aber eher unangenehm auffallen.“ Sie rate ihren Kunden daher immer zu langer Beinkleidung aus leichter Baum- oder Schurwolle. Damit müsse am Arbeitsplatz niemand schwitzen.

Auch Uwe Klett vom Modehaus Sauer rät zum klassischen Outfit. „Ein langes Hemd zum Anzug ist generell Pflicht. Kurzarmhemden gehen im Sommer aber auch.“ Grundsätzlich solle es jedem Mitarbeiter persönlich überlassen werden, wie er sich kleiden möchte, natürlich abhängig von der Klimatisierung seines Arbeitsplatzes.

Uli Sauter vom Herrenausstatter Vockeroth setzt auf die alte Schule. Dem Stilmix aus kurzen Hosen und Jacket, wie ihn die Designer häufig auf den Laufstegen präsentieren, kann er nur wenig abgewinnen. „Designer zeigen meistens Mode, die man so nicht im Alltag tragen kann.“ Genauso verhalte es sich auch mit der Business-Kleidung. Zur Not könne man ja die Ärmel hochkrempeln. Immerhin etwas.

Von Annelie Rink und Hannah Becker

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