Auf den Spuren Luthers: Festival der Reformation in Bad Hersfeld verbindet

Im Zeichen der Begegnung

Morgenmahl Brot und Ahle Wurscht teilten gestern Morgen die Gäste des Frühstücks mit Luther. Fotos: Konopka

Bad Hersfeld. Plötzlich ertönen lautes Getrommel, Trompeten und der einzigartige Klang der Dudelsäcke – Spielmänner in bunten Kostümen nähern sich dem Linggplatz, auf dem sich zahlreiche Menschen versammeln, um Martin Luthers Worten zu lauschen.

Aus Worms war er nach Bad Hersfeld gekommen, um über „die Verderbnis der Papisten und die Freiheit der Christenmenschen“ zu berichten und dem Volk somit die Notwendigkeit einer kirchlichen Reformation näherzubringen. Von Frater Leonhard, der Luthers Worte als anrüchig bezeichnet, lässt sich der Theologieprofessor nicht beeindrucken – er will die Heilige Schrift für jeden zugänglich machen, ins Deutsche übersetzen und plädiert somit für Frömmigkeit und Freiheit unter den Menschen. „Geht in euch und macht eine Entdeckungsreise in euch selbst“, fordert Martin Luther das jubelnde Publikum auf.

Eine Entdeckungsreise auf dem Festival der Reformation hatte ebenfalls allerhand zu bieten: Auf der Kirchenmeile konnten Besucher bei der Ökumenischen Jugendarbeit Hohe Luft „Ihrem Traum von Kirche“ auf einer großen Kirche aus Papierwürfeln mit Pinseln und Stiften Ausdruck verleihen. Das Kirchspiel Rohrbach machte eine Zeitreise, indem es nach alter Tradition selbstgebundene Reisigbesen mit lilafarbener Reformationsschleife verkaufte. Die eignen sich nicht nur zum Reinigen, sie haben im Hinblick auf Luthers Worte auch einen symbolischen Wert: „Ab und zu sollte man auch mal vor seiner eigenen Tür kehren“. Bei den Landsknechten ging es ebenfalls zur Sache: Loki Galgenvogel präsentierte eine Vielzahl spätmittelalterlicher Waffen. „Man muss sich damit auskennen, es ist eine Frage der Übung“, erklärte er den staunenden Besuchern, die sicher erstmalig einen Langspieß, Biedenhänder oder Katzbalger in der Hand hielten.

Die wesentlichen Orte der Reformation, in denen Luther gelebt und gewirkt hat, präsentierten sich in der Straße der Reformation, vom Linggplatz bis zum Stiftsbereich.

Ebenfalls machten zahlreiche Attraktionen, wie Stadtführungen, Puppenspiele und Konzerte das „Fest der Begegnung“ zu einem Erlebnis für Jung und Alt. „Die Reformation hat eine enorme Auswirkung auf die Menschen. Egal, ob in der Musik oder in der Kultur – sie ist in vielen Bereichen heute noch spürbar“, erklärt Alexandra Scheele, Vorsitzende des Europäischen Tourismusverbunds „Stätten der Reformation“, der die Veranstaltung gemeinsam mit der Kurverwaltung Bad Hersfeld initiiert hat. Deshalb sei es die Intention des Festivals, das kirchliche aber auch spirituelle Thema der Reformation einer breiten Masse näherzubringen und ihm eine gewisse Anziehungskraft zu verleihen.

Von Nina Skrzyszowski

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