Stenografenverein Bad Hersfeld wurde vor 100 Jahren gegründet

Zehn Finger zählen noch

Schon in der Grundschule lernen Kinder mit Unterstützung von Karla Setzkorn vom Stenografenverein (links), wie man richtig auf der Computertastatur schreibt. Foto: privat

Bad Hersfeld. Was macht eigentlich ein Stenografenverein heute? Er beschäftigt sich nach wie vor mit Schrift. Das erklärt Ute Schwab, die zweite Vorsitzende des Hersfelder Stenografenvereins, der an diesem Wochenende sein hundertjähriges Bestehen feiert.

Der richtige Umgang mit der Tastatur sollte von klein auf gelernt und geübt werden, betont Schwab. Das Bedienen der Tastatur mit allen zehn Fingern sei eine Grundvoraussetzung für gelenkschonende, ergonomische Bedienung des PCs.

Kurse für Grundschulkinder

Um dies zu tun, bietet der hiesige Stenografenverein schon Grundschulkindern die Möglichkeit, in Kleinstgruppen spielerisch den Umgang mit der Tastatur zu lernen. Karla Setzkorn, die Kursleiterin, ist Spezialistin auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendkurse. Ihre Schüler, die sie z. B. an der Wilhelm-Neuhaus-Schule, der Ernst-von-Harnack-Schule, der Linggschule und an den Gesamtschulen Geistal und Obersberg unterrichtet, erzielten bisher zahlreiche Preise bei Wettschreiben. Anmeldungen für den nächsten Computerschreib-Schülerkurs sind bei Karla Setzkorn, Telefon 06621/ 62857, möglich.

Es wurden schon immer Wettschreiben veranstaltet. Der Hersfelder Verein war, sicher auch durch die Hersfelder Duden-Geschichte, mit der Sprache verbunden und erzielte immer wieder gute Ergebnisse. Hauptsponsor des Stenografenvereins ist heute die Sparkasse. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg unterstützt den Verein durch das zur Verfügungstellen von Computerräumen in den Schulen.

Doch zurück zur Stenografie. Wer sie kann, ist froh darüber. Eine hingeworfene Bemerkung, ein Protokoll oder eine Notiz ist an Hand von Stenonotizen schnell zu rekapitulieren und am PC zeitnah wiederzugeben. Auch Uni-Vorlesungen sind mit Steno zielgerichtet mitzuschreiben. Für Parlamentsstenografen und gute Sekretärinnen ist die Stenografie nach wie vor wichtigstes Arbeitsmittel.

Zuse nutzte Stenografie

Auch Konrad Zuse war begeisterter Nutzer der Stenografie und konnte sich seine Arbeit an und mit dem Computer ohne Kurzschrift nicht vorstellen. Das hat er der ersten Vorsitzenden des Vereins, Renate Nöding, persönlich erzählt. Eine weitere legendere Person des Hersfelder Stadtlebens, der bekannte HZ-Reporter Wilhelm Bleitner, war langjähriger Vorsitzender des Hersfelder Stenografenvereins und machte seine Notizen ebenfalls ausschließlich in Kurzschrift.

Der Hersfelder Stenografen-verein bietet bei Bedarf Übungsstunden in deutscher und englischer Stenografie an. Diese übernimmt gern die langjährige erste Vorsitzende, Renate Nöding. Sie gehört dem Verein seit mehr als 55 Jahren an und lenkt die Geschicke mit sicherem Gespür für alle Vereinsbelange seit über 30 Jahren. Für Terminabsprachen und Fragen rund um den Verein steht sie unter der Telefonnummer 06621/76478 zur Verfügung.

Stellt sich also heute die Frage: 100 Jahre Stenografenverein – braucht man den denn noch? Die Antwort lautet: „Ja“. Davon ist Ute Schwab überzeugt. Die Haupt-Aktivitäten des Vereins haben sich verlagert – von Steno auf die Computerbedienung. „Er hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung“, sagt Schwab.

Am Samstag, 12. März, richtet der Verein die Nordhessischen Meisterschaften in Kurzschrift, Tastschreiben und Textbearbeitung am Computer in der Modellschule Obersberg aus. Abends feiert der Verein sein Jubiläum. (red)

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