Annett Louisan präsentierte bekannte und neue Stücke in der Stiftsruine

Zauberhaft spitze Zunge

Auf einen schönen Abend stießen vor dem Konzert Silvia Hanzog, Christin Krieg und Lisa Hanzog (von links) aus Steinbach an. Es war Silvia Hanzogs Geburtstag und der Ausflug ein Geschenk.

Bad Hersfeld. Ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer zauberten vor allem die schnellen und humorvollen Stücke, die Annett Louisan am Samstagabend in der Bad Hersfelder Stiftsruine zum Besten gab. Doch auch mit den sanften, nachdenklichen Liedern konnte die ziemlich kleine Sängerin die ziemlich große Kulisse ausfüllen.

Bei Songs wie „Eve“ oder „Pärchenallergie“ dachte so manch einer wohl an eigene ähnliche Erfahrungen mit nervtötend-niedlichen Paaren oder allzu porentief reinen Freundinnen, denen einfach alles gelingt.

Aktuelles wie Bekanntes

Zu „Das alles wäre nie passiert“ steuerte das Publikum – das aus Jung wie Alt, Frauen wie Männern und Paaren wie Singles bestand – lauthals „ohne Prosecco“ bei.

So nett, wie sie aussieht, ist die Sängerin nicht immer: Viele von Annett Louisans Texten sind ganz schön spitzzüngig, aber doch immer humorvoll. Das weiße Kleid tauschte sie übrigens nach der Pause gegen ein blaues. Foto: Maaz

Annett Louisan und ihre Band präsentierten Lieder des aktuellen Albums von 2011 „In meiner Mitte“ ebenso wie ältere Stücke von den Platten „Teilzeithippie“ (2008), „Das optimale Leben“ (2007), „Unausgesprochen“ (2005) und natürlich durfte auch „Das Spiel“ von Louisans erstem Album „Boheme“ (2004) nicht fehlen. Mit dem scheinbar unschuldig gehauchten „Ich will doch nur spielen“ war die Deutsche mit der eigenwilligen Chanson-Stimme bekannt geworden.

Folk, Pop, Polka: Zwischen den einzelnen Stücken unterhielt Louisan das Publikum mit kleinen Anekdoten, sie mischte sich unter die Leute und animierte mit Tanz- und Klatscheinlagen – und nur zu gerne machte das Publikum mit. „Sie ist einfach toll“, schmachteten zwei junge Frauen. Ein mutiges Mädchen überreichte Louisan eine Rose.

Ihr weißes Kleid, das zu der zauberhaften Erscheinung gut passte – wobei sie es, ihren teils spitzzüngigen Texten nach zu urteilen, eigentlich faustdick hinter den Ohren hat –, tauschte Louisan in der Pause gegen ein blaues. Die hohen Schuhen wurden zum Tanzen ausgezogen.

Am Ende des Abends gab es stehenden Applaus für Annett Louisan und ihre Musiker, die zwei Zugaben spielten – sogar Feuerzeuge wurden geschwenkt, was die Atmosphäre in der zurückhaltend, aber toll beleuchteten Stiftsruine unterstrich.

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Annett Louisan in der Stiftsruine

Holk Freytag, Intendant der 62. Festspiele, hatte die Pause des Konzerts genutzt, um die aktuellen Stücke und einige Schauspieler vorzustellen, darunter Julian Weigend und Volker Lechtenbrink. Annett Louisan überreichte er einen riesigen Blumenstrauß, der der Sängerin fast die Sicht auf die tolle Kulisse versperrte.

Von Nadine Maaz

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