Die Opernpreisträger über ihre Rollen und ihre Wahrnehmung der Festspielbühne

Vom Zauber der Ruine

Bad hersfeld. Wenn sie hinter der Säule steht und darauf wartet als „Berta“ auf die Bühne zu schreiten, schaut Iris Stefanie Meyer oft in den Himmel. „Das kann kein Theater“, sagt sie, „jeder Sänger und jeder Schauspieler wird bestätigen, dass es einmalig ist, in der Ruine aufzutreten.“

Auch die anderen Preisträger empfinden die Stiftsruine als magisch. „Bereits zum zweiten Mal bin ich jetzt hier, und trotzdem ist es wieder schön. Es ist ein Nachhausekommen“, sagt Amber Opheim.

Für ihre Rolle der Marie in der „verkauften Braut“ erhielt sie den Opernpreis. „Das ehrt mich ganz besonders, denn es war eine große Freude für mich die Marie zu singen und zu spielen.“

Nicht nur eine Rolle

Dass die Sängerinnen und der Sänger auf der Bühne nicht nur ihre Rolle, sondern auch ein Stück ihrer selbst darstellen, ist ihnen sehr wichtig. „Das war beim Barbier sehr einfach“, sagt Iris Stefanie Meyer, „unser Regisseur hat ein Gespür dafür, wer zu welcher Rolle passt.“ So kam es, dass Preisträger Riccardo di Francesco auch nicht von ungefähr die Silbenherausforderung zuteil wurde. „Es wird geschaut: Wer hat wo seine Stärken? Wer hat wo seine Schwächen?“, sagt Riccardo di Francesco.

„Niemandem wird etwas aufgezwungen oder etwas Unmögliches gefordert“, sagt auch Iris Stefanie Meyer. Somit komme am Ende ein Stück heraus, mit dem sich jeder wohlfühlt und das merke dann auch das Publikum. Doch nicht nur die Atmosphäre auf der Bühne sei etwas Besonderes, sondern auch das Publikum. „Hier merkt man, dass die Leute kommen, weil sie es wollen und Lust auf einen Opernabend haben“, haben die drei Sängerinnen und der Sänger festgestellt. „Es sind keine Theater-Abo-Gäste, sondern interessierte Zuhörer. Kenner teilweise, oder Ersthörer, die von Neugier gepackt sind.“

Zusätzlich zu dem Charme und der Magie des Ambientes in der Stiftsruine kommt außerdem der Alltag in der Kleinstadt. „Man ist mittendrin“, sagt Teresa Smolnik. Damit sind vor allem Abende und Probenpausen in der Festspielkantine gemeint.

Besondere Gemeinschaft

Die Preisträger sind sich einig, dass die Gemeinschaft während der Opernfestspiele eine besondere ist: „Auf der einen Seite, weil wir als Musiker hier viel miteinander erleben und zusammen sind und auf der anderen Seite, weil wir zeitweise ein Teil der Stadt werden.“

Dass die Vier in diesem Jahr dazu noch als Preisträger von Bad Hersfeld abreisen, ehrt sie in ganz besonderem Maße: „Wir freuen uns alle riesig.“ Für Nachwuchstalent Teresa Smolnik ist der Preis für ihre Leistung als Rosina im Barbier von Sevilla auch eine Bestätigung. „Das ist für mich eine große Motivation und zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, sagt die Studentin, die zum ersten Mal in Bad Hersfeld auftritt.

Wenn am kommenden Mittwoch die Oper zu Ende geht, haben die Opernpreisträger schon neue Pläne: Auftritte in Monte Verdi, in Musicals und Kabaretts sowie Urlaub stehen dann auf dem Programm für den Rest des Jahres.

Von Johanna Kaschik

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