Festspiel-Paar: Julia Hell und Fabian Baumgarten sind im „Sturm“ plötzlich verliebt

Vom Zauber der Liebe

Jung und auf Anhieb verliebt sind Julia Hell als Miranda und Fabian Baumgarten als Ferdinand im Shakespeare-Stück „Der Sturm“. Ob es die Liebe auf den ersten Blick so auch im wahren Leben gibt, da sind sich die beiden allerdings nicht sicher. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Ein wenig Zauberei ist zwar auch im Spiel, aber am Ende ist es doch die wahre Liebe, die Miranda und Ferdinand im „Sturm“ verbindet – ein stürmisches, naives, junges Liebespaar, rein und frisch.

Gespielt wird Miranda von Julia Hell. Das junge Mädchen lebt mit ihrer Mutter Prospera auf einer einsamen Insel, auf die diese nach einer Intrige ihrer Schwester entkommen ist. Der zunächst etwas eitle Prinz Ferdinand ist der Sohn von Neapels König Alonso, dessen Truppe nach einem Sturm auf der Insel landet. Als Miranda und Ferdinand dort unerwartet aufeinander treffen, sind beide sofort voneinander fasziniert und schwer verliebt.

Ferdinand ist allerdings auch der erste Mann, den Miranda kennenlernt – abgesehen von ihrem Vater, den sie allerdings als Kleinkind zuletzt gesehen hat, und dem humpelnden, unheimlichen Sklaven Caliban, der wahrlich kein Prachtkerl ist. Wenn Miranda beim Anblick Ferdinands also feststellt „so schöne Männer gibt es doch gar nicht“, hat das auch etwas komisches.

Aber auch Ferdinand ist ganz hingerissen, obwohl er eigentlich um seinen vermeintlich ertrunkenen Vater trauern müsste. „Er ist fasziniert von ihrer gleichzeitig naiven und direkten Art“, erklärt Baumgarten. „Die Frauen in seiner Welt sind ganz anders.“ Um seine Liebe zu beweisen, schleppt er sogar Holz, obwohl er als Prinz körperliche Arbeit weder gewohnt ist noch Lust darauf hat.

Kaum haben sich die beiden kennengelernt, ist auch schon von Hochzeit die Rede – in der heutigen Zeit ein doch eher seltenes Vorhaben. Auch Hell und Baumgarten sind eher skeptisch, ob es so etwas (heute noch) gibt. Für Hell ist Liebe auch eine bewusste Entscheidung, mit jemandem zusammen sein zu wollen. Bei Miranda sei im Prinzip alles schon in dem Augenblick entschieden, in dem sie und Ferdinand sich kennenlernen. Von der Liebe auf den ersten Blick habe sie zwar im Bekanntenkreis schon gehört, selbst sei ihr so etwas aber noch nicht passiert. „Liebe ist für mich etwas, das sich langsam entwickelt, wenn man sich näher kennenlernt, Liebe ist auch Erkennen.“

„Die erste Liebe ist etwas besonderes und man denkt, das ist es, aber nach zwei Monaten ist man schon wieder entzaubert“, so Baumgarten. Mit jeder weiteren Verliebtheit werde man dann realistischer, schiebt er schmunzelnd hinterher. Ausschließen will er die Liebe auf den ersten blick und das sofortige Gefühl der Zusammengehörigkeit aber nicht. Wenngleich es auch andersherum sein könne: „Manchmal sieht man Menschen, die sich lieben, die aber trotzdem nicht zueinander finden.“

Ob Mirandas und Ferdinands Liebe letztlich auch den Alltag in Neapel überdauert, darüber gibt „Der Sturm“ keine Auskunft. Hell und Baumgarten erinnert die Situation an eine Urlaubsliebe. Aber wenn es tatsächlich die wahre Liebe ist, dann wird der Zauber bleiben. Eine zu schöne Illusion, um sie zu zerstören.

Von Nadine Maaz

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