Helen Schneider begeisterte mit Liedern und düsteren Texten von Anne Sexton in Fulda

Mal zart, mal messerscharf

Verwandlungen: Helen Schneider im Schlosstheater Fulda Jo Ambros an der Gitarre im Hintergrund. Foto: Landsiedel

Fulda. Grimms Märchenwelt ist völlig aus den Fugen geraten. Der Wolf aus Rotkäppchen ein heimtückischer Transvestit, Rapunzel und die Hexe ein lesbisches Paar. Dornröschen wird vom betrunkenen Vater missbraucht, Schneewittchen verliebt sich in ihr Spiegelbild, der Froschkönig wird an die Wand geklatscht und die Stimmung in Gevatter Tod ist düster wie das Führerhauptquartier.

Düster, beklemmend und voller Abgründe stellen sich die wohlbekannten Grimmsche Märchen in den „Verwandlungen“ der amerikanischen Autorin Anne Sexton dar. Helen Schneider präsentierte am Donnerstag abend im Fuldaer Schlosstheater eine grandiose Bühnenfassung dieses wohl bekanntesten Gedichtbandes der kurz vor ihrem 46. Geburtstag freiwillig aus dem Leben geschiedenen Poetin.

Finstere Atmosphäre

Gestenreich und theatralisch, mal zart und zerbrechlich, fast gehaucht, mal mit enormer Wucht, Wort für Wort messerscharf betonend schlug die zweifache Hersfeldpreisträgerin die Zuschauer in ihren Bann. Die beiden Musiker Mini Schulz (Kontrabass) und Jo Ambros (Gitarre) entlockten dazu ihren Instrumenten Geräusche und Klänge, welche die finstere Atmosphäre im Dämmerlicht der bis auf wenige Spots abgedunkelten Bühne fast greifbar machten. Mit gefühlvollen Songs aus den 60er- und 70er-Jahren (unter anderem von Leonard Cohen, Simon & Garfunkel und Joni Mitchell) schuf Helen Schneider Spannungsbögen, setzte gekonnt Kontraste oder verstärkte die unterschwellige Botschaft der soeben vorgetragenen Texte. Ein berührend schöner Abend mit einer faszinierenden Künstlerin, für die es völlig zu recht Beifall im Stehen gab. Text unten

Von Thomas Landsiedel

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