Die Äußerung des Bundespräsidenten zum Benzinpreis spaltet die Meinungen

Zank an den Zapfsäulen

Die Benzin-Rüssel werden gezückt: Wolfgang Gerland, Pächter der Lomo-Tankstelle in Obergeis, hat täglich 200 Kunden, die bei ihm tanken – trotz der hohen Spritpreise. Fotos:  Backovic

Bad Hersfeld/Obergeis. Bundespräsident Horst Köhler will, dass der Preis für Sprit steigt (wir berichteten). Die Bundesregierung – ebenso wie Autoclubs und die Industrie – kritisieren die Ansicht des Politikers. Mit seiner Aussage im „Focus“ spaltet er auch in Bad Hersfeld und Umgebung die Meinungen.

„Köhler muss ja keinen Sprit bezahlen. Da fällt es ihm leicht, über Preise zu reden. Ein Vierteljahr hat man nichts von ihm gehört – jetzt will er sich wohl auch mal wieder zu Wort melden“, sagt ein älterer Mann aus Neuenstein verärgert, als er den Zapfhahn an der Lomo-Tankstelle in Obergeis aus seinem Auto zieht. Auch Diana Kempf versteht die Ansicht Köhlers nicht: „Benzin soll auf keinen Fall teurer werden. Schließlich wird das Geld im Portemonnaie immer weniger.“ Die 39-Jährige aus Wippershain denkt schon über die Konsequenzen nach: „Wenn es richtig teuer werden sollte, dann lasse ich das Auto stehen“.

Christel Fehling ist auf das Auto angewiesen, weil sie nicht mehr gut zu Fuß ist. Die 73-jährige Bad Hersfelderin findet den Vorschlag des Bundespräsidenten eher ungerecht: „Es trifft doch nur die Kleinen. Obwohl ich den Wagen brauche, überlege ich immer zweimal, ob ich losfahre.“

Aber nicht alle sind grundsätzlich gegen Köhlers Vorschlag. „Vom Aspekt des Umweltschutzes hat er vielleicht Recht. Trotzdem ist es für den kleinen Mann wirtschaftlich schlecht“, sagt der 83-jährige Friedrich Schuster aus Neuenstein, der noch immer selbst am Steuer sitzt.

Bernd Groscurth aus Hauneck sagt: „Bei einer Jahresfahrleistung von 8500 Kilometern hätte ich prinzipiell nichts gegen steigende Benzinpreise. Dann schränken die Leute unnötige Fahrten ein.“ Der 40-jährige Bauer hat im Gegenzug allerdings eine Forderung an die Politik: „Für die höheren Spritpreise würde ich mir einen besonderen Dieselpreis für Landwirte wünschen – so wie es ihn in den anderen EU-Mitgliedsstaaten schon gibt.“

An den Tankstellen beschweren sich die Kunden kaum. Ein Grund dafür: An den tiefen Griff in seinen Geldbeutel hat sich der Autofahrer in der letzten Zeit gewöhnt. „Die Leute reagieren inzwischen gelassen, weil der Preis ein Dauer-Hoch aufweist“, erklärt Wolfgang Gerland, Pächter der Lomo-Tankstelle in Obergeis. Anita van Norman, Mitarbeiterin des Aral-Autohofs in Bad Hersfeld, bestätigt Gerlands Beobachtung: „Einige ärgern sich zwar, die meisten regen sich aber nicht mehr auf.“

Von Dorothea Backovic

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