Zukunft der alten Klosterschänke ist weiter ungewiss – Wirt und Stadt im Clinch

Zank um die Brandruine

Nach dem Brand der Klosterschänke fühlt sich Wirt Ulrich Bommer – der inzwischen in der Luisenschule eine neue Heimat für seine Gaststätte gefunden hat – von der Stadt schikaniert und an der Nase herumgeführt. Unser Foto zeigt Ulrich Bommer mit seiner Ehefrau Izabela sowie seiner Tochter Michele und einem Ordner voller Unterlagen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Fast genau zwei Jahre ist er her, dass die Klosterschänke am Johannesberg ausbrannte. Ein technischer Defekt hatte am 24. Januar 2013 ein Feuer in der Traditionsgaststätte ausgelöst und den Betreibern von jetzt auf gleich die Existenz genommen. Wirt Ulrich Bommer hat inzwischen in der ehemaligen Luisenschule eine neue Heimat für sein Restaurant gefunden, und die Familie lebt wieder am Johannesberg. Abgeschlossen ist das Kapitel aber noch lange nicht. Bommer und die Stadt liegen im Clinch. Die Zukunft der denkmalgeschützten Überreste und des knapp 8000 Quadratmeter großen Grundstücks ist weiter ungewiss.

Ulrich Bommer will verkaufen

Ulrich Bommer fühlt sich vonseiten der Stadt schikaniert und zu wenig unterstützt, Bürgermeister Thomas Fehling und Johannes van Horrick als Leiter des Fachbereichs Technische Verwaltung und zuständig auch für den Denkmalschutz indes verweisen auf das geltende Baurecht und bislang fehlende Pläne.

Schon als es um den Abriss des zerstörten Gebäudes ging, begannen die Unstimmigkeiten. Eigentlich habe er die Gaststätte wieder aufbauen wollen, sagt Bommer. Nach einer denkwürdigen Sitzung, an der unter anderem Vertreter des Ortsbeirats und der Stadt teilnahmen, und divergierenden Vorstellungen von einem Neubau inklusive einer zweiten Fluchttreppe habe er aber schließlich Abstand von der Idee genommen. „Jetzt möchte ich das Grundstück nur noch verkaufen und in Ruhe meiner Arbeit nachgehen“, sagt Bommer. Aber auch dabei fühlt er sich behindert. So habe er die mündliche und schriftliche Ansage bekommen, dass zwingend wieder eine Gaststätte entstehen müsse. Das würde seiner Meinung nach aber keine Bank der Welt finanzieren und schrecke viele Interessenten ab.

Van Horrick begründet die Einschränkungen unter anderem mit der Lage im streng geschützten Außenbereich und der Notwendigkeit, wieder ein „gleichartiges Gebäude“ zu errichten. Eine große Wohnanlage etwa sei nicht akzeptabel, eine Gaststätte aber auch nicht zwingend erforderlich. Wenn als Grundvoraussetzung das Mauerwerk erhalten und innerhalb der vorhandenen Grundfläche gebaut werde, sei unter Umständen auch eine reine Wohnnutzung zulässig. Während Bommer von 15 Interessenten spricht, die er zur Stadt geschickt habe, wissen van Horrick und Fehling nur von zwei ernsten Anfragen.

„Wir halten uns an das Gesetz und können dieses für Herrn Bommer nicht außer Kraft setzen“, so Fehling. Dem Vorwurf, Bommer Steine in den Weg zu legen, widerspricht der Bürgermeister. Das sei mitnichten der Fall. „Ich würde ihm raten, die Empfehlungen abzuarbeiten und einen Fachplaner dazu zu holen, dann ist sicher eine Lösung möglich.“ Zum Zankapfel wird nun zudem die Sicherung der Mauerkrone.

Immer noch dankbar sind Bommer und seine Familie für die Welle der Hilfsbereitschaft nach dem Brand. „Wir hatten damals nur noch unsere Schlafanzüge.“

Von Nadine Maaz

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