Jugendliche im Vollrausch stammen aus allen Schichten

Zahl der Koma-Trinker nimmt kreisweit zu

Hersfeld-Rotenburg. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es immer mehr Kinder und Jugendliche, die aufgrund eines akuten Vollrauschs in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Bundesweit ist die Zahl der jugendlichen Koma-Trinker im vergangenen Jahr dagegen zurückgegangen. Das hat eine Studie gezeigt, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.

Während man im Kreiskrankenhaus Rotenburg von 2010 bis 2012 eine Stabilisierung der Zahl der jungen Patienten mit Vollrausch registriert hat, ist im Klinikum Bad Hersfeld im gleichen Zeitraum ein Anstieg zu verzeichnen. 2010 wurden 22 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 17 Jahren volltrunken ins Klinikum eingeliefert – der jüngste Patient war zehn Jahre alt – 2011 waren es schon 30. Bis Ende August dieses Jahres, so berichtet der Leiter der Kinderklinik, Dr. Ghiath Shamdeen, sind 23 junge Patienten wegen gefährlichen Alkoholkonsums behandelt worden. „Wir befürchten noch einen massiven Anstieg, denn Feste wie Kirmes oder Lullusfest und Silvester kommen ja erst noch“, sagt der Arzt. Das jüngste Alkoholopfer in diesem Jahr war zwölf Jahre alt.

Auch in Rotenburg waren es im vergangenen Jahr 30 junge Menschen, die behandelt werden mussten, berichtet Dr. Annika Köhler, Oberärztin in der Abteilung für Innere Medizin. In Rotenburg werden bis zu 20-Jährige zu dieser Gruppe gezählt. Beide Mediziner haben beobachtet, dass die jungen Patienten aus allen gesellschaftlichen Schichten stammen. In Bad Hersfeld wurden, so schätzt Dr. Shamdeen, Jungen und Mädchen in etwa gleicher Anzahl behandelt, in Rotenburg werden mehr männliche Betrunkene behandelt. Unrühmliche Spitze war in diesem Jahr ein Jugendlicher mit 3,15 Promille.

Das Jugendamt wird vom Kreiskrankenhaus Rotenburg nicht eingeschaltet, vom Klinikum nur selten. Zum Tage, Hintergrund, Seite 2

Von Silke Schäfer-Marg

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