Persönlichkeiten, die selbst eine Doktorarbeit geschrieben haben, zum Fall Guttenberg

Wurstbrötchen und Zitate

Dr. Rolf Göbel (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Bad Hersfeld

Hersfeld-Rotenburg. Jeder Schüler ist verpflichtet, bei Hausarbeiten exakt zu zitieren und fremde Gedanken kenntlich zu machen. Das sagt Dr. Rolf Göbel, Lehrer und Stadtverordnetenvorsteher in Bad Hersfeld, mit Blick auf Verteidigungsminister zu Guttenberg, der in seiner Doktorarbeit offenbar weite Teile abgeschrieben hat.

Die Universität müsse den Titel aberkennen, sagt Dr. Göbel, der selbst in Wirtschaftswissenschaften promoviert hat. Eine Arbeit, die nur aus Versatzstücken bestehe, sei keine eigenständige Leistung. „Das geht in der Form nicht“, betonte Göbel. Nach allem, was er wisse, seien Zweifel angebracht, ob der Minister überhaupt selbst der Verfasser der Doktorarbeit ist. Ob Guttenberg zurücktreten müsse, sei aber eine politische Frage.

Mit einem baldigen Rücktritt von zu Guttenberg rechnet dagegen Dr. Kurt Schreiner (Wildeck). Er bedauert dies außerordentlich, denn Guttenberg sei ein Hoffnungsträger, ein Leuchtturm der Politik gewesen. Doch was er nun abliefere, sei Mittelmaß, sagt Schreiner, der selbst promovierter Chemiker ist. Er betont, Guttenberg müsse wissen, wie seine Arbeit zustande gekommen sei. Die Vermutung liege nahe, dass ein Ghostwriter die Arbeit geschrieben habe. Es sei nicht hinnehmbar, wie er auftrete und sich winde. Die Relationen stimmten nicht, wenn eine Verkäuferin wegen eines Wurstbrötchens entlassen werde.

Politiker ebenso wie die wissenschaftliche Arbeit und die Universität würden ins Lächerliche gezogen, sagt Dr. Susanne Natrup, und vermisst bei zu Guttenberg die Verantwortung für das eigene Tun. Bei einer Doktorarbeit gehe es in der Regel um ein wissenschaftliches Thema. Hier aber dränge sich der Verdacht auf, es gehe mehr um Eitelkeit als um Beschäftigung mit einem Thema. „Man weiß doch, ob man abschreibt oder nicht“, sagt die Schulpfarrerin aus Rotenburg.

„Ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand mit dem Hintergrund allerhöchste Ämter besetzen kann“, erklärte Dr. Heinrich Nuhn, pensionierter Lehrer. Er selbst hat erst mit 51 Jahren promoviert, weil er sich Förderern gegenüber verpflichtet gefühlt hat, wie er sagt. Sein Thema war der hiesige Wahlkreis seit 1867, eine Arbeit, die neue Erkenntnisse zum politischen Antisemitismus brachte und heute oft zitiert wird. Durch nicht gekennzeichnete Zitate würden andere zwar nicht materiell geschädigt, aber doch ausgenutzt, sagt Dr. Nuhn. Er weist darauf hin, dass Guttenbergs Arbeit mit „summa cum laude“, der höchsten Auszeichnung, bewertet wurde, was Voraussetzung für eine wissenschaftliche Karriere sei.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt (CDU) ließ Folgendes mitteilen: „Minister zu Guttenberg hat konsequent gehandelt und seinen Doktor-Titel dauerhaft zurückgegeben. Es ist jetzt an der Zeit, dass er sich wieder den wirklich wichtigen Dingen für die weitere Zukunftsgestaltung unseres Landes widmen kann.“

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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