Podiumsdiskussion der Wirtschaftsjunioren Hersfeld-Rotenburg in der Stadthalle

Wunschzettel für die Politiker

Wirtschaft trifft Politik: Bei den Wirtschaftsjunioren diskutierten (von links) der Unternehmer Heinrich Leist, die Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich und Michael Roth, Landrat Karl-Ernst Schmidt sowie Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker mit Moderator Kai A. Struthoff und dem Publikum. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Obwohl es bis Weihnachten noch ein paar Wochen dauert, hat der Unternehmer Heinrich Leist aus Kathus seinen Wunschzettel schon fertig: Eine verbesserte Verkehrsanbindung unserer Region, wettbewerbsfähige Energiepreise und den Ausbau von Studienangeboten, damit die Jugend nicht abwandert.

Adressaten der Leist’schen Vorstellungen waren am Montag bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren Hersfeld-Rotenburg in der Bad Hersfelder Stadthalle die beiden Bundestagsabgeordneten Michael Roth (SPD) und Helmut Heiderich (CDU) sowie Landrat Karl-Ernst Schmidt. „Wirtschaft trifft Politik“ war das Motto des Abends, der von HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff moderiert wurde.

Während Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker, der das Podium komplettierte, bei Diskussionsthemen wie Energiewende und Euro-Krise momentan noch gelassen bleiben kann („Die Leute investieren in feste Werte, davon profitieren wir“), beklagte der Auto-Zulieferer Leist bereits jetzt drastische Umsatzrückgänge. Eine Direktverbindung auf der Straße ins Ruhrgebiet und Energiekosten, die nicht höher sind als bei der Konkurrenz in den Nachbarländern, stehen bei ihm deshalb ganz oben auf der Liste.

Helmut Heiderich verwies zum einen auf die bereits laufenden Autobahnprojekte in der Region und beklagte andererseits die fortschreitende Verkomplizierung des Planungsrechts.

Nicht finanzierbar

Michael Roth setzte den Leist’schen Träumen allerdings die Feststellung entgegen, dass ein Lückenschluss der Autobahn A4 zwischen Hattenbach und Olpe nicht finanzierbar sei. „Der Bundesverkehrsminister benötigt schon jetzt jährlich vier Milliarden Euro mehr, um nur das zu realisieren, was der Bundestag beschlossen hat,“ sagte Roth.

Um die Finanzierbarkeit der Energiewende ging es in einem weiteren Themenblock. Dabei lästerte Helmut Heiderich über Subventions-Altlasten aus rot-grünen Zeiten, durch die 18,5 Milliarden Euro für Strom ausgegeben worden seien, der tatsächlich nur 2,5 Millionen wert war. Auch Parlamentskollege Roth, der den Ausstieg aus der Atomenergie als überfällig bezeichnete, gestand zu, dass der Beschluss alleine noch keine Wende schaffe. Roth verwies jedoch darauf, dass Kernkraft und Kohle über Steuern subventioniert würden, die erneuerbaren Energien durch den Verbraucher. Und nicht zuletzt hätte sich die Energiewende bereits als „Jobmotor“ mit 20 000 Arbeitsplätzen in Nordhessen positiv ausgewirkt.

Landrat Karl-Ernst Schmidt, der seine Aufgabe vor allem darin sieht, ordentliche Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft zu schaffen, wollte trotz aller Sorgen und Probleme nicht schwarz sehen: „Das Glas ist halb voll,“ sagte er und mit Blick auf Heinrich Leist: „Unternehmer sind dazu da, etwas zu unternehmen.“

Von Karl Schönholtz

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