Wunschdenken und Tapferkeitsmedaillen

Karl Schönholtz

Das drohende Riesen-Defizit bei den Bad Hersfelder Festspielen war fraglos die unangenehmste Nachricht der vergangenen Woche. Gerne hätten wir Erfreulicheres gemeldet und noch viel lieber hätten wir es vermieden, mit einer solchen Negativ-Schlagzeile für Unruhe zu sorgen. „Nun lassen Sie uns doch Festspiele machen“, war denn auch die erste, verständliche Reaktion von Intendant Holk Freytag, als wir wegen der Finanzierungslücke nachgefragt haben. Das wollen wir ja auch, und wegen der in den vergangenen Jahren üblichen Nachschläge im niedrigen sechsstelligen Bereich (die von den Stadtverordneten regelmäßig grummelnd, aber problemlos durchgewinkt wurden) hätte ja auch nicht schon jetzt Alarm geschlagen werden müssen. Doch wenn im Fünf-Millionen-Etat eine Million fehlt, dann muss darüber gesprochen werden – hier bei uns in der Hersfelder Zeitung und natürlich in den städtischen Gremien.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie so ein Wirtschaftsplan der Festspiele – der Bestandteil des städtischen Haushalts ist – überhaupt zustande kommt. Denn die darin verzeichnete wundersame Vermehrung der Einnahmen durch den Kartenverkauf um rund eine Million Euro erweist sich ja schon lange vor der ersten Premiere als reines Wunschdenken. Auf der anderen Seite sind die Ausgaben harte Realität, da wurden Verträge für Personal und Dienstleistungen unterschrieben und da müssen Rechte bezahlt werden. Viel einzusparen gibt es da wohl nicht mehr. Na, wie hieß es doch gleich vor vielen Jahren in einer Zigarettenwerbung? Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben...

Gut angelegtes Geld waren sicherlich die Kosten für den Frühjahrsempfang der nordhessischen Wirtschaft in Bad Hersfeld. Die Spitzen aus Industrie, Handwerk, Handel und Politik hier zu Gast zu haben, das kann sich unter dem Strich nur auszahlen. Dass die Stadthalle extra wegen des guten Eindrucks ein paar Tage vorher einen frischen Anstrich erhielt, ist natürlich nur ein Gerücht.

Die Tapferkeitsmedaille der Woche geht übrigens an die Frühschwimmer im Bad Hersfelder Geistalbad: Wer im nordhessischen Spät-Winter Morgen für Morgen ins leidlich temperierte Nass steigt (und dann wieder in die Kälte hinaus), der hat höchsten Respekt verdient. ks@hersfelder-zeitung.de

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