250 Dinge, die wir an der Region mögen (226): Die Gedenkstätte Pfaffenwald

Würdiges Erinnern

Ein Weg der Besinnung: Niederaulaer Bürger sind mit Pfarrer Werner Ewald (links) am Buß- und Bettag zur Gedenkstätte Pfaffenwald gewandert. Foto: Miehe

Beiershausen. Mitten im Wald zwischen Beiershausen und Kirchheim gelegen befindet sich die Kriegsgräberstätte Pfaffenwald. Diese Gedenkstätte wurde auf dem Friedhof, auf dem vorrangig Verstorbene vom nahe gelegenen Lager Pfaffenwald beigesetzt sind, errichtet.

Ursprünglich war 1938 in der Nähe der Asbacher Autobahnbrücke für Arbeiter eine Barackenunterkunft erstellt worden. Neben deutschen Arbeitern waren hier österreichische, seit Frühjahr 1939 noch dienstverpflichtete tschechische Arbeiter und seit dem Ende 1939 auch zwangsverpflichtete Polen einquartiert. Während sich diese ausländischen Arbeiter völlig frei bewegen konnten, wurde im Juni 1940 für die französischen Kriegsgefangenen ein Teil des Lagers eingezäunt. Etwa 200 französische Kriegsgefangene mussten unter Aufsicht eines Wachposten mit an der Asbacher Brücke arbeiten.

Nachdem im Frühjahr 1942 der Autobahnbau abgeschlossen war, wurde das Lager Pfaffenwald Sammellager für Ostarbeiter und Zivilverschleppte aus Polen und den Sowjetrepubliken. Dem allgemeinen Sammellager war eine separate Krankenstation, die im Laufe der Jahre immer mehr erweitert wurde, angeschlossen.

240 Geburten

Im Besonderen wurden viele Mädchen und Frauen bis aus dem Raum Giessen, zur Entbindung in das Lager Pfaffenwald eingewiesen. Allein im ersten Jahr wurden 240 Lebendgeburten verzeichnet. Die Kinder wurden den Müttern nicht mitgegeben. Vielleicht überlebten einige in einer so genannten „Ausländerkinderpflegestation“, die damals anderenorts eingerichtet worden waren, aber diesen Namen eigentlich nicht verdienten. Im Lager Pfaffenwald wurden auch zahlreiche Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Eine Hebamme, ein russischer Arzt und eine russische Ärztin betreuten zwar die Lagerinsassen, hatten aber nur wenig Medikamente und Verbandsmaterial. Durch die zunehmend schlechte Ernährung und mangelhafte Hygiene breiteten sich zudem immer wieder Epidemien aus, sodass viele Lagerinsassen umkamen.

War jemand im Lager gestorben, so wurde er von seinen Landsleuten auf dem eigens nahe gelegenen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. In den Fünfzigerjahren wurden dann auch die anderenorts zu Tode gekommenen Ostarbeiter, Verschleppten und Kriegsgefangene der Region auf den Pfaffenwaldfriedhof umgebettet. 1960 ließ der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für die 453 Toten eine würdige Gedenkstätte schaffen. Auf zwei großen eingemauerten Bronzeplatten sind die Namen eingraviert. Während eine Tafel mit der Inschrift auf Deutsch versehen ist, steht der gleiche Text auf der anderen in Russisch: „Hier ruhen 453 Kriegstote, die in der schweren Zeit 1940 - 1945 fern ihrer Heimat starben“.

Weg der Besinnung

Außer dem offiziellen Gedenken seitens des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Stadt Hersfeld am Volkstrauertag gehen seit 1981 Niederaulaer Bürger am Buß- und Bettag einen Weg der Besinnung zum Pfaffenwald. Anfangs von Pfarrer Karl-Werner Brauer und der evangelischen Kirchengemeinde initiiert und seit 1991 von Pfarrer Werner Ewald weitergeführt, gab es seither in Zusammenarbeit mit dem Knüllgebirgsverein jährlich eine Wanderung zur Gedenkstätte mit einhergehender Andacht.

Von Brunhilde Miehe

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