Vivarium an der Modellschule Obersberg feiert den 20. Geburtstag

Wo’s krabbelt und kriecht

Unterricht zum Anfassen: Florian Fischer, Henrike Saure und Annabelle Wagner von der Modellschule mit Tieren, die sie im Biologieunterricht pflegen. Auf Florians Hand sitzt eine Riesendornschrecke, Henrike und Annabelle tragen zwei Bartagamen. Foto: von Polier

Bad Hersfeld. Um den 20. Geburtstag des Vivariums an der Modellschule Obersberg zu feiern, sind gestern Lehrer von 30 Vivarium-Schulen aus ganz Deutschland in Bad Hersfeld zusammengekommen.

Mitgebracht hatten sie Tiere aus eigener Zucht, um einen stetigen Austausch in den Vivarien zu haben, wie es auch in Zoos gemacht wird.

Die Idee, Tiere in den Unterricht einzubinden, hatte im Jahr 1994 der Biologielehrer Hartmut Keller. Zusammen mit seinem Kollegen Karl-Heinz Humburg entwickelte er mit einer Skizze die Idee, das Vivarium in den Raum unter dem Treppenaufgang einzubauen, wo die Tiere auch heute noch untergebracht sind. Schülern sollte auf diese Weise ein lebendiger Unterricht geboten werden.

„Vorher habe ich an der Edith-Stein-Schule in Erfurt angerufen, wo zu der Zeit bereits Tiere an der Schule gehalten wurden“, sagt Keller. Im Jahr 1997 ist dann der Ring der Vivarium-Schulen gegründet worden – ein Erfolgskonzept.

In Bad Hersfeld ist es so erfolgreich, dass für Arbeitsgemeinschaften im Biologieunterricht schon Wartelisten gebildet und Plätze verlost werden mussten.

„Ich bin froh, eine solche Einrichtung an der Obersberg-Schule zu beherbergen“, sagt Schulleiter Karsten Backhaus. Er findet es schön, dass Kinder seit der 5. Klasse mit Tieren aufwachsen. An einen Schüler erinnert er sich, der so traurig war, nach den Ferien seine Bartagamen wieder abgeben zu müssen, dass er sich selbst Echsen kaufte.

Von dem Konzept ist auch Corina Klose überzeugt, die das Vivarium mit ihren Kollegen Michaela Kandler und Dieter Siebold leitet. „Es ist merkbar, dass die Schüler Verantwortung lernen, wenn sie sich mit den Tieren beschäftigen“, sagt sie. Auch in den Ferien kämen Schüler freiwillig hierher, um die Tiere zu pflegen.

25 Tierarten leben in dem Vivarium auf einer Fläche von 15 Quadratmetern. „Mit Insekten sind es etwa tausend Tiere“, sagt Klose. Auch Achatschnecken, Riesendornschrecken, Fische und Kröten leben dort.

Eine Schülerin, die sich sieben Jahre lang im Vivarium engagiert hat, erinnert sich lächelnd und sagt: „Ich fand sehr schön, dass die Tiere von Anfang an überlebt haben.“

Von Jürgen von Polier

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