Herkuleskeule aus Dresden gastierte mit „Radiobalett oder Opa twittert“ in Philippsthal

Mit Wortwitz und Akzent

Mit seinem Programm „Radioballett oder Opa twittert“ sorgte das Ensemble der Dresdner Herkuleskeule (von links) Brigitte Heinrich, Rainer Bursche („Opa Neugebauer“) und Michael Rümmler für beste Stimmung in Philippsthal. Foto: Landsiedel

Philippsthal. Mit der Dresdener Herkuleskeule gastierte am Sonntagabend eines der letzten großen Ensemblekabaretts Deutschlands in der Philippsthaler Kreuzberghalle. Getreu dem Programmtitel „Radioballett oder: Opa twittert“ entstiegen die drei Kabarettisten einem überdimensionalen Volksempfänger und begannen sofort, das Publikum mit einzubinden.

Die gemeinsame Feststellung „Genau so isses“ wurde zum geflügelten Wort des Abends und erfüllte immer wieder den Saal. Insbesondere Klaus aus Schenklengsfeld wird den Abend noch länger schmunzelnd in Erinnerung behalten, da er des öfteren direkt angesprochen und manchmal auch liebevoll auf die Schippe genommen wurde.

Eigener Blickwinkel

Scharf, bissig, bisweilen politisch unkorrekt betrachtete die Herkuleskeule aktuelle Themen aus ihrem ganz eigenen Blickwinkel, sodass dem Publikum mitunter das Lachen im Halse stecken blieb. Zum Beispiel, wenn in Abwandlung von Georg Kreislers „Tauberl vergiften“ die Missbrauchsskandale innerhalb der katholischen Kirche mit dem Chanson „Schau die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau, geh´ma Knaben vernaschen im Dom“ aufgearbeitet wurden.

Der Diätvertreter riet Opa Neugebauer auch schon mal zur Feuerbestattung, denn „da können Sie gleich Ihr Fett verbrennen“ oder empfahl Milchreis mit Pangasiusfilet als „Rentner-Sushi“. Das Fernsehprogramm wurde als „Gebühren- und werbefinanzierte Sterbehilfe“ entlarvt und mit dem Flachbildschirm habe sich die Form endlich dem Inhalt angepasst. Die beiden Volksvertreter waren sich darin einig, dass sie es ohne Volk wesentlich einfacher hätten. Von ihren Wählern erwarteten sie daher, dass diese von ihnen eben nichts mehr erwarten.

Ein Chef mit Visionen

Bei all diesen Missständen werde der Wunsch nach einem starken Mann am Ende doch noch nachvollziehbar. Brigitte Heinrich trug dazu ihre eigene Version des Dreigroschenoper-Hits „Und ein Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen“ vor. Ihr „Ein Chef mit Visionen für achtzig Millionen“ mit dem Schlusssatz „Und nach der Katastrophe hatte ihn keiner gewählt“ bildete einen der vielen Höhepunkte des Abends.

Skurrile Einfälle

Brigitte Heinrich, Michael Rümmler und Rainer Bursche, begleitet vom Pianisten Thomas Wand entfachten ein wahres Feuerwerk an skurrilen Einfällen und eroberten ihr Publikum in der gut besetzten Kreuzberghalle mit Wortwitz und leicht sächselndem Akzent im Sturm. Am Ende gab es lang anhaltenden Applaus als Belohnung.

Von Thomas Landsiedel

Kommentare