wortreich und wortkarg

Nadine Maaz

Konkrete Schuldzuweisungen werden öffentlich zwar vermieden, die unterschiedlichen Positionen der am wortreich Beteiligten werden dennoch deutlich. Während Bürgermeister Thomas Fehling die viel zu optimistischen Besucher-Prognosen von Petri & und Tiemann kritisiert, bemängelt der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft das Marketing der Stadt und lässt Zweifel an der Arbeit von Christian Mayer durchblicken, der als Kurdirektor, (ehrenamtlicher) wortreich-Geschäftsführer und Marktingbeauftragter sicher mehr als genug zu tun hat.

Da sich aber alle zumindest in einem Punkt einig zeigen – dass das wortreich an sich ein tolles Produkt ist – heißt es nun: Retten, was noch zu retten ist. Über mögliche Maßnahmen wahren die Beteiligten noch Stillschweigen, auf dem Prüfstand sollen aber alle Geschäftsbereiche des wortreichs stehen. Hauptsache, es hilft und die Pläne sind diesmal realistischer (!)

Eher wortkarg gibt man sich im Rathaus. Einen Rüffel dürfte in diesem Sinne zunächst Philipp Kaufmann als Leiter der City Galerie und Vorsitzender des Stadtmarketingvereins bekommen haben. Kaufmann hatte sich gegenüber unserer Zeitung besorgt und verärgert über die Situation zwischen City Galerie und Tegut geäußert. Die dortige Trinkerszene hatte zuletzt mit einer Schießerei (zwar „nur“ mit einer Schreckschusspistole...) und einer Prügelei auf sich aufmerksam gemacht. Kaufmann sieht sowohl die Kunden, Festspielbesucher, Geschäftsleute als auch das Image der Stadt in Gefahr. Seine offenen Äußerungen passten im Rathaus aber nicht jedem, mit solchen Problemen möchte man offenbar nicht an die Öffentlichkeit gehen. Warum? Wenn es ein Problem gibt, muss man doch darüber sprechen und berichten können – oder zumindest informiert werden; vielen Bürgern ist es ohnehin bekannt.

Ähnlich lief es in Sachen Grünpflege: Leser hatten sich über zugewucherte Verkehrsschilder beschwert, wir machten Fotos und versuchten über mehrere Tage ein Statement von der Stadt zu bekommen. Vergeblich. Als wir die Fotos dann mit einiger Verspätung trotzdem veröffentlichten, kam prompt (und wie erwartet) ein aufgebrachter Anruf aus dem Rathaus... .

Eine wortreiche und gleichzeitig wortarme Woche also.

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