Der Kunstverein setzt Enzensbergers „Der Untergang der Titanic“ künstlerisch um

Worte farbig machen

Dank des Kunstvereins wurde der Schilde-Platz am Donnerstag zu einem Atelier umfunktioniert. Stehend oder sitzend auf einer Decke, wie Silvia Dostal, ließen die Künstlerinnen ihren kreativen Eingebungen freien Lauf. Foto: Hanisch

Bad Hersfeld. Fortschritt –schön und gut. Diesem allerdings völlig vorbehaltlos gegenüberzustehen und dabei aus den Augen zu verlieren, dass nicht der Mensch, sondern eben doch die Natur das letzte Wort hat, zeugt von Überheblichkeit.

Dieser Auffassung ist jedenfalls die Arbeitsgruppe des Kunstvereins Bad Hersfeld, die sich, motiviert durch die Festspiel-Aufführung in der Schilde-Halle, mit dem Buch „Der Untergang der Titanic“ von Hans Magnus Enzensberger und der dort thematisierten Fortschrittsgläubigkeit beschäftigt hat.

Das Ziel der achtköpfigen Gruppe war, diese Themen – Mensch, Natur, Technik – künstlerisch und möglichst reduziert umzusetzen. „Wir machen die Worte farbig“, bringt es Margot Knüpfer auf den Punkt.

Inspirationsquelle

In diesem Kontext stehen auch die Installation „Restrisiko“ der Arbeitsgruppe, die schon seit dem 13. Juli auf dem Schilde-Platz zu sehen ist, und die Malaktion, die die Frauen am Donnerstag veranstaltet haben: Trotz knalliger Hitze versammelten sich die Künstlerinnen zu einer dreistündigen Malaktion vor ihrer Installation, die nun als erneute Inspirationsquelle diente. Bewaffnet mit Acrylfarben und Pinseln brachten die Malerinnen ihre Eingebungen und Ideen auf die Leinwände.

Ohne Planung, kreativ und frei ließen die Malerinnen dabei ausdrucksstarke Bilder entstehen. „Man weiß vorher nie, was passiert und was dabei rauskommen wird“, erläutert Margot Knüpfer den künstlerischen Schaffensprozess. So spiegeln die Leinwände die Symbole der Installation wie Zerfall, Hoffnung und und Verstrickung wider – nur eben völlig anders.

Es ist das erste Mal, dass der Kunstverein so einen besonderen Arbeitskreis gebildet hat, möchte dies aber aufgrund der positiven Erfahrungen gerne wiederholen. „Wir haben uns etwa ein Vierteljahr mit dem Buch beschäftigt und in der Gruppe toll zusammen gearbeitet. Jeder hat seine Ideen eingebracht“, sagt Margot Knüpfer und verspricht für das nächste Jahr bereits weitere Aktionen.

Von Christin Hanisch

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