Anne Weinhart aus Bad Hersfeld schreibt Gedichte und Geschichten aus dem Alltag

Worte fangen Stimmung ein

Bad Hersfeld. Der erste Eindruck beim Betreten der geschmackvoll eingerichteten Wohnung mit einer beeindruckenden Büchersammlung im Mittelpunkt täuscht nicht. Hier wohnen belesene Menschen, die übereinstimmend betonen: „Die Bücher würden wir nie hergeben“. Es ist das Zuhause von Anne und Horst Weinhart, die bei ihrer ersten zufälligen Begegnung in Pößneck/Thüringen nicht nach ihren Namen fragten, sondern sich über ihre Lieblingsbücher austauschten.

Wink des Schicksals

Es war sicher ein Wink des Schicksals, dass sie sich in einem in der DDR üblichen Zirkel für begabte und an Literatur interessierte junge Menschen trafen, der von dem Autor Paul Schmidt-Elgers geleitet wurde.

„Lesen war schon immer meine große Leidenschaft“, erzählt Anne Weinhart. Mit ihren eigenen Geschichten und witzigen Reimen fiel sie schon ihrer Deutschlehrerin auf, die den Berufswunsch ihrer Schülerin, Schriftstellerin zu werden, positiv kommentierte: „Dir traue ich das zu“.

Anne Weinhart wurde jedoch zur MTRA (Medizinisch-technische Radiologie-Assistentin) ausgebildet und blieb nach der Heirat 1961 und der Geburt ihres Sohnes Ulf ein Jahr später bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 2003 immer voll berufstätig.

1986 wurde dem Ehepaar die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland bewilligt. Die Familienzusammenführung mit der in Bad Hersfeld lebenden Schwiegermutter war damit geglückt.

Trotz Berufstätigkeit und mehrerer Umzüge hat die vielfach geforderte Ehefrau, Mutter und Oma jahrelang Gedichte geschrieben, wobei ihr immer wichtig war, mit wenigen Worten Stimmungen einzufangen. „Lyrik soll das auch können“, ist ihr eigener Anspruch. Ihre gesammelten Gedichte hat die Autorin vor einem Jahr unter dem Titel: „Auf meiner Insel aus Gedanken“ veröffentlicht. Erlebte und erdachte Alltagsgeschichten zum Schmunzeln und Nachdenken aus ihrer Feder erschienen ebenfalls 2010 als „Episoden I und II“. Damit ist aus der kleinen Anne aus Thüringen doch noch eine Schriftstellerin mit vielen Ideen für weitere Bücher geworden.

Das Schreiben half ihr, sich nach dem frühen Tod ihres einzigen Kindes im Jahr 2002 ihren Schmerz von der Seele zu schreiben. Ihr Buch hat sie unter Pseudonym veröffentlicht. Getrieben von der Frage nach dem „Warum“ beschreibt sie darin ihren Weg zurück ins Leben, verbunden mit dem moralischen Auftrag, das künstlerische Werk ihres Sohnes fortzuführen.

Gedanklicher Austausch

Anne Weinhart, die das Kulturangebot in Bad Hersfeld sehr schätzt, einem Lesezirkel angehört und sich der Aquarellmalerei widmet, genießt ganz besonders ihr Beisammensein und den gedanklichen Austausch mit ihrem Mann, der in seiner eigenen Werkstatt künstlerisch tätig ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte…!

Von Gudrun Schmidl

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