Workshop: Schüler proben den Anfang von Joern Hinkels Festspielinszenierung

Die Inszenierung „Krabat“ von Joern Hinkel wird in diesem Sommer auch bei den Bad Hersfelder Festspielen zu sehen sein. Hier proben Schüler eine Anfangsszene: Auf seiner Flucht versteckt sich Krabat in einem Ruderboot, das in einem Seesturm zu kentern droht. Foto: Krenz

Bad Hersfeld. Krabat steht alleine da und versucht zu weinen. Es gelingt ihm nicht. Hinter ihm erscheint eine kleine Prozession, angeführt von einem Priester, gefolgt von ein paar zerlumpten Gestalten, die zwei Tote auf ihren Schultern tragen und auf den Boden legen. Der Junge kniet stumm vor seinen toten Eltern. Der Pfarrer nimmt der Mutter ihren Schal ab und reicht ihn Krabat, der ihn sich umhängt.

Das ist eine der Szenen des preisgekrönten Jugendbuches von Otfried Preußler, die von Joern Hinkel, dem künstlerischen Leiter der Bad Hersfelder Festspiele, mit rund 70 Schülern im Alter von zehn bis 18 Jahren im „wortreich“ einstudiert wurde.

Der Schal ist alles, was Krabat von seinen Eltern geblieben ist. Die kleine Gruppe der Trauergäste zieht sich zurück, Krabat bleibt alleine zurück. Dann rennt er davon.

Zusammen mit einem Bewegungstrainer probte Joern Hinkel Anfangsszenen von „Krabat“. Die Inszenierung wird in diesem Sommer auch bei den Bad Hersfelder Festspielen zu sehen sein. Einige der Schüler werden vielleicht sogar mit auf der Bühne stehen.

Der tiefere Sinn des Workshops im Rahmen der kulturellen Jugendarbeit war, die Emotionalität zu erfassen. Um die Trauerszene so originell wie möglich zu spielen, führten die Trainer mit den Jugendlichen ein intensives Gespräch über Trauer und Sterben: „Was habt ihr bereits erlebt?“ Viele Schüler berichteten von ihren Erfahrungen mit dem Tod, woraufhin eine Choreographie eingeübt wurde.

Joern Hinkel betonte, wie wichtig das Körperbewusstsein sei. Die Schüler sollen lernen, miteinander in der Gruppe umzugehen. Bereits nach einigen wenigen Durchgängen veränderte sich die Atmosphäre im Raum. Die Gesichter der Schüler bekamen einen schmerzlichen Ausdruck von Trauer und Verzweiflung.

Auch in den folgenden Szenen, bei der die Jugendlichen über ein imaginäres Minenfeld marschierten oder in einem Ruderboot in einem Seesturm zu kentern drohten, überzeugten die Schüler mit ihrer Mimik und ihrem Körperbewusstsein.

„Es ist ein riesiges Erlebnisprojekt mit etwa 30 bis 40 Treffen“, erklärt Andrea Exner, Lehrerin an der Projektpartnerschule Konrad-Duden. Unter anderem werden die Jugendlichen im Rahmen des Projektes die Bad Hersfelder Festspiele besichtigen. Den Schülern soll zum einen gezeigt werden, wie die Profis arbeiten und zum anderen soll das Interesse am Theater geweckt werden. Denn junge Menschen ins Theater zu bekommen, sei ein großes Problem, sagt Andrea Exner.

Von Jasmin Krenz

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