Interview: Die grüne Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch setzt auf flache Hierarchien

„Wollen saubere Werra“

Für die Region im Bundestag: Nicole Maisch von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Jung, weiblich, grün. Mit ihren 30 Jahren ist Nicole Maisch in der Politik allerdings fast schon ein alter Hase. Die ehemalige Landesvorsitzende der Grünen Jugend ist seit 2007 Mitglied des Bundestags. Als einzige grüne Nordhessin im Bundestag möchte Maisch über ihren Wahlkreis Kassel hinaus auch Ansprechpartnerin für die Region sein.

Warum gerade Hersfeld als Standort für Ihr Regionalbüro?

Nicole Maisch: Viele der Themen, die regional von den Grünen vertreten werden, sind ohnehin die Themen, die mir auch im Bundestag wichtig sind. Hersfeld hat sich angeboten, weil die Grünen im Kettengässchen schon seit längerem mit einem Büro vertreten sind. Wir wollten die Synergieeffekte nutzen und eine grüne Bürogemeinschaft aufmachen, und das läuft sehr gut.

Inwiefern wollen Sie Ihre Arbeit auf Hersfeld und den Landkreis ausweiten?

Maisch: Im Grunde genommen möchte ich Themen wie Kali + Salz, erneuerbare Energien, Verkehrspolitik, also das was klassische grüne Umweltpolitik ist und was ich bisher als Abgeordnete mitgemacht habe, professionalisieren, und an den Themen weiter arbeiten. Und natürlich, was ich vorher nicht sein konnte, wirklich Ansprechpartnerin für die Bürger vor Ort sein. Das heißt, man kann sich mit allen Anliegen, die man in die Bundespolitik tragen will, an mich wenden.

Können regionale Interessen auf Bundesebene denn überhaupt eingebracht werden?

Maisch: Auf jeden Fall. Es ist aber zweischneidig. Einerseits ist es wichtig, dass die regionalen Abgeordneten für ihre Region kämpfen, andererseits – wir kennen das in der Verkehrspolitik – wird verdammt viel Quatsch gebaut, weil bestimmte, einzelne Abgeordnete ein gutes Durchsetzungsvermögen haben und so soll Bundespolitik natürlich nicht sein. Sondern wir müssen Verkehrspolitik so machen, dass das Gesamtkonzept stimmt und nicht weil Einzelne für ihren Wahlkreis gekämpft haben. Ich versuche aber trotzdem, die Region in Berlin zu vertreten.

Zuletzt haben die Grünen im Kreis nach Fukushima Aufwind bekommen, wie wollen Sie die Wähler bei der Stange halten?

Maisch: Die Energiewende ist ja noch nicht geschafft. Und die Leute haben uns nicht gewählt, weil ein Atomkraftwerk in die Luft geflogen ist, sondern weil wir Alternativen anzubieten haben. Das gibt es ja auch hier im Kreis eine große Diskussion, wo kommen Flächen für Windenergie hin, was kann man mit Solarenergie machen, wie geht es weiter mit der 380-KV-Trasse. Wir wollen die Leute mit unseren Konzepten bei der Stange halten. Wir Grüne können glaubwürdig vermitteln, dass wir diejenigen sind, die gute Konzepte für die Energiewende haben. Daran arbeiten wir seit vielen Jahren, nicht erst seit Fukushima.

Windkraft ist hier ja gerade das Thema. Welche Möglichkeiten oder Probleme sehen Sie?

Maisch: Wir diskutieren das auch gerade in der Regionalversammlung. Es gibt gute Flächen, an denen auch ordentlich Wind weht, jetzt ist die große Aufgabe, das mit den anderen legitimen Interessen, vor allem auch dem Naturschutz, zu verschneiden. Wenn wir das ordentlich machen und am Einzelfall prüfen, können wir auf eine vernünftige Anzahl an Flächen kommen, Klar ist, wenn wir hessenweit zwei Prozent erreichen wollen, müssen wir in Nordhessen mehr als zwei Prozent der Fläche erreichen. Das wird nicht einfach und das wird auch nicht allen Leuten gefallen, aber die, die gegen Windenergie und gegen Atomkraft sind, müssen sagen, wo der Strom dann herkommen soll..

Auch in Sachen Werraversalzung haben es die Grünen im Kreis schwer, immerhin hängt hier etwa jeder zehnte Arbeitsplatz an K+S...

Maisch: Ich bin der Meinung, dass ein Unternehmen, das solche Umsätze macht wie K+S auch Verantwortung übernehmen muss für die Umweltschäden. Wir Grüne fordern schon lange die Nordseepipeline und K+S muss diese Pipeline so schnell wie möglich realisieren. Was sie bis jetzt vorgelegt haben, reicht nicht. Wir wollen eine langfristige Entsorgung der Abfälle und eine saubere Werra. Das heißt nicht, dass wir gegen die Arbeitsplätze sind. Auch die Behörden sagen klar, so wie es jetzt läuft, geht es eigentlich nicht mehr.

Auf Ihrer Internetseite ist häufig einfach von „Nicole“ die Rede, soll das Bürgernähe demonstrieren?

Maisch: Das ist ein Stück grüne politische Kultur. Bei uns duzen sich alle. Das heißt nicht, dass es keine Hierarschien gibt, aber wir versuchen, eine politische Kultur zu leben, die möglichst hierarchiearm ist. Ich finde das in Ordnung und hoffe, dass es den Menschen erleichtert, mich anzuschreiben und in Kontakt mit mir zu treten.

Regionalbüro: Kettengässchen 1, Bad Hersfeld, dienstags 14 bis 17 Uhr, zusätzlich werden Sprechstunden und Veranstaltungen angeboten, Ansprechpartnerin: Angelika Adamaschek, Telefon 0 66 21/709 71 29.

Von Nadine Maaz

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