Michael Schmidt (AfD) will offenbar Bürgermeister werden

Wochenend-Kolumne: Fettnäpfchen, Zitronentorten und ein neuer Kandidat

Kulturminister Boris Rhein ist mit seiner sicher freundlich gemeinten Eröffnungsrede für die Bad Hersfelder Festspiele ganz schön ins Fettnäpfchen getreten.

Sein geradezu überschwängliches Lob für die positive Entwicklung der Festspiele unter Intendant Dieter Wedel haben dessen Vorgänger jedenfalls als Schlag ins Gesicht empfunden. Tatsächlich klang der Minister so, als hätte hier vor Wedel nur Kasperle-Theater stattgefunden. Und das stimmt ja nun wirklich nicht, wie der Minister unschwer beim Blick in die Festspiel-Bücher unserer Zeitung feststellen könnte. Ex-Intendantin Elke Hesse hat sich den Minister jedenfalls deshalb ordentlich zur Brust genommen. Trotz ihres charmanten Wiener Schmähs soll Rhein dabei ganz schön rote Ohren gehabt haben, berichten uns Augenzeugen.

Wo Dieter Wedel Recht hat, da hat er Recht. Die Entscheidung des Intendanten, das Kinderstück der Bad Hersfelder Festspiele in einem eigens aufgestellten Theaterzelt neben der Stiftsruine aufzuführen, erwies sich schon bei der Premiere als richtig. Wedel nennt das knallgelbe Zelt liebevoll „Zitronentorte“. Vom ersten Auftritt an verfolgte das junge Publikum „Die goldene Gans“ mit voller Konzentration, nahm schon bald aus nächster Nähe regen Anteil am Bühnengeschehen, berichten mir meine Kollegen aus der Premierenvorstellung. Das war in den Anfangsjahren des Kinderstücks, als noch in der Stiftsruine gespielt wurde, nicht der Fall. Unabhängig von der Qualität der Inszenierungen herrschte dort während der gesamten Aufführungsdauer Unruhe – zu groß war für die jüngsten Zuschauer die Distanz zur Bühne, unabhängig auch davon, ob alle oder nur ein Teil der Sitzplätze freigegeben waren. Das war im vergangen Jahr im Buchcafé natürlich ganz anders, doch dort fehlte es an der Festspiel-Atmosphäre, die eben nur im Umfeld der Ruine vorhanden ist. Deswegen bleibt nach der zum Teil auch politisch motivierten Diskussion um das Buchcafé festzustellen: Wedel hatte Recht.

Offenbar bekommen Thomas Fehling und Karsten Vollmar nun doch noch einen Mitbewerber um das Bürgermeisteramt. Dem Vernehmen nach sammelt Michael Schmidt derzeit die nötigen Stimmen, um kandidieren zu dürfen. Der 47-jährige Systemprogrammierer aus Bad Hersfeld sitzt für die Alternative für Deutschland (AfD) im Kreistag. Dort fiel er in der ersten Sitzung dadurch auf, dass er gegen Landrat Dr. Michael Koch für den Vertreterposten im kommunalen Rechenzentrum der Kreise kandidierte. Dabei präsentierte er sich ziemlich selbstbewusst und sehr redegewandt. Angesichts des Abschneidens der AfD bei der Kommunalwahl, dürften die nötigen Unterstützer-Unterschriften wohl kein Problem sein. Thomas Fehling wird die Konkurrenz von rechts-außen wohl nicht gefallen, denn sie spaltet das bürgerliche Lager und dürfte ihn Stimmen kosten. Das wird wiederum Karsten Vollmar freuen. Eine Stichwahl scheint vorprogrammiert.

Das große neue Einkaufszentrum, das einst unter dem Namen „City Plaza“ im Bad Hersfelder Rechberggelände entstehen sollte, ist bis heute nicht gebaut. Auch der angekündigte und angeblich unvermeidbare Ringtausch von Obi über Edeka bis ins Postgebäude hat bisher nicht stattgefunden. Die Zwänge von Um- und Neubauplänen sowie auslaufenden Mietverträgen existieren nach wie vor. Etwas unübersichtlich das Ganze, zumal dabei auch die Neuordnung des Schlachthofgeländes neben der Hochbrücke eine Rolle spielt. Zu allem Überfluss erschweren gegensätzliche Interessen die Umsetzung auch der verbliebenen Vorhaben. (Kai)

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