Wissen, was lauert

Jürgen Stiebing, Kriminaloberkommissar in Bad Hersfeld

Ein Angriff kommt oft aus dem anonymen Nichts: Wie sich Opfer von Cybermobbing wehren sollten und wie Eltern vorbeugen, dass ihr Kind zum Opfer wird, erklärt Jürgen Stiebing, Kriminaloberkommissar in Bad Hersfeld.

Herr Stiebing, wie bewegen sich Jugendliche sicher im Internet?

Jürgen Stiebing: Kinder und Jugendliche müssen sich darüber bewusst sein, dass die Preisgabe der persönlichen Daten in den sozialen Netzwerken durchaus erhebliche Gefahren oder zumindest auch Nachteile mit sich bringt. Je mehr man von sich preisgibt, umso größer ist natürlich auch die Angriffsfläche für Cybermobbing. Darüber hinaus müssen die Jugendlichen natürlich auch darauf vorbereitet werden, welche weiteren Gefahren lauern können. Das Internet ist für alle Bereiche offen und man kann ohne Probleme auf jugendgefährdende Inhalte treffen. Auch hierfür muss ein Bewusstsein geschaffen werden.

Wie sollten Opfer von Online-Angriffen handeln? Und wie gehen Eltern mit solchen Vorfällen um?

Stiebing: Es kommt natürlich immer auf die Art und den Umfang der Angriffe an. Die Erfahrung zeigt, dass sich Jugendliche, die Opfer solcher Angriffe werden, oft nicht selbst zu helfen wissen. Schaut man in entsprechende Internetforen (zum Beispiel www.mobbing.seitenstark.de) erkennt man schnell, dass es viele Jugendliche gibt, die real keinen Ansprechpartner haben. Daher ist es wichtig, dass man Vertrauen schafft. Dies muss unbedingt durch die Schule und selbstverständlich durch das Elternhaus geschehen. Die Eltern sind mit solchen Problemen jedoch oftmals überfordert, da sie sich mit dem Medium Internet nicht auskennen und daher auch nicht wissen, wie man solche Angriffe beendet. Diese Unsicherheiten erklären die mit Sicherheit sehr hohe Dunkelziffer aus kriminalistischer Sicht.

Raten Sie Opfern zu einer Anzeige?

Stiebing: Sobald die Polizei von einer Straftat Kenntnis erhält, wird sie im gesetzlichen Rahmen tätig. Hinter den Begriffen „Mobbing“ und „Bullying“ verbergen sich meistens die Straftaten der Beleidigung (§ 185 StGB), der Bedrohung (§ 241 StGB) und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs eines anderen durch Bildaufnahmen (§ 201a StGB). Daher ist es durchaus ratsam, dass eine Anzeige erstattet wird. (spi)

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