Insolvenzbilanz 2010 im Landkreis mit gegenläufigen Trends

Wirtschaft stabil, aber mehr private Schulden

Hermann Eimer

Hersfeld-rotenburg. Obwohl die Zahl der Unternehmenspleiten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im vergangenen Jahr von 45 auf 63 Fälle gestiegen ist, spricht Hermann Eimer, Direktor des für Insolvenzen zuständigen Amtsgerichts Bad Hersfeld, von einer „eigentlich stabilen Wirtschaftslage“.

Denn von der Zahlungsunfähigkeit waren 2010 fast ausschließlich Klein- und Kleinstbetriebe betroffen. Lediglich vier Unternehmen hatten zehn und mehr Beschäftigte. Größere Betriebe waren nicht darunter. Stattdessen hätten wieder viele ehemals Selbständige den Weg zum Insolvenzgericht angetreten, um auf diese Weise aus der Schuldenfalle herauszukommen, teilte Eimer mit.

Einen gegenläufigen Trend sieht der Amtsgerichtsdirektor bei den Privatinsolvenzen. Deren Zahl ist 2010 stark angestiegen. Mit 240 eröffneten Verfahren wurde die Rekordmarke aus dem Jahr 2007 nur knapp verfehlt.

Wie dramatisch die Situation im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist, verdeutlicht Eimer durch den Vergleich mit dem Gerichtsbezirk Fulda. Dort wurde 2010 eine ähnlich hohe Zahl von Verbraucherinsolvenzen registriert wie beim Amtsgericht Bad Hersfeld. „Allerdings wohnen im Bezirk Fulda etwa doppelt so viele Menschen wie im Hersfelder Bezirk,“ sagte Eimer.

Bei den Insolvenzsschuldnern in Waldhessen handelt es sich mehrheitlich um Langzeitarbeitslose. Aber auch viele Menschen mit geringem Erwerbs- oder Renteneinkommen sind laut Eimer betroffen. Auffällig oft leben die verschuldeten Personen in Haushaltsgemeinschaft mit minderjährigen Kindern. Die Altersstruktur ist bunt gemischt und reicht von der 22-jährigen Auszubildenden bis zum siebzigjährigen Rentner. hintergrund, zum tage

Von Karl Schönholtz

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