Was wirklich wichtig ist

Karl Schönholtz

Das Grubenunglück von Unterbreizbach hat wohl niemanden unberührt gelassen. Alleine die Vorstellung, wie sich Angehörige fühlen müssen, die ihren Mann, den Sohn oder Vater nichtsahnend zur Arbeit in der Schicht verabschiedet haben, um einige Stunden später mit der Todesnachricht konfrontiert zu werden, lässt fast alles, was eben noch groß und wichtig erschien, zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen.

Geradezu grotesk mutet im Vergleich neuerlicher Hickhack in der Stadt Bad Hersfeld an – diesmal um das Kunstwerk „Signet des Windes“. Das erst neun, jetzt wohl nur noch sechs Meter hohe Konstrukt war ursprünglich für den Amazon-Kreisel gedacht. Nachdem sich dieser Standort als ungeeignet erwies (auch war für die bereits installierte Beleuchtung keine Stromversorgung gelegt), soll das riesige Windspiel nun auf eine Wiese vor die Schilde-Halle. Dort muss allerdings erst ein mächtiger Betonsockel versenkt werden, um die Statik zu sichern. Warum das „Signet des Windes“ nicht dort aufgestellt wird, wo derzeit ohnehin gebaut wird – nämlich im östlichen Teil des Park – das verstehe, wer will. Zudem spricht auch die Optik gegen die Platzierung vor der Halle: Zwischen Bäumen und Lichtstelen würde das Kunstwerk kaum zur Geltung kommen. Aber vielleicht soll Störendes ja gleich beseitigt werden, wenn der Bagger schon mal bei der Arbeit ist...

Und nochmal das Thema Wind: Mittlerweile hat ein Mediationsverfahren begonnen, das zwischen den Gegnern der geplanten Windkraftanlagen auf dem Wehneberg und den Betreibern vermitteln soll. Im Stadtverordneten-Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt haben sich die Vertreter von Hessen-Agentur und dem Büro IFOK bereits vorgestellt und ein faires, maßgeschneidertes Gesprächsangebot zugesichert. Dass die Mediatoren dabei vor einer extrem schwierigen Aufgabe stehen, lässt sich aus zwei aktuellen Reaktionen ablesen: So verwiesen die Parlamentarier auf gefasste Beschlüsse und geschlossene Verträge. Und die Bürgerinitiative berichtete von mutwillig zerstörten Protestplakaten, die auf privatem Grund standen. Eine öffentliche Veranstaltung ist für Ende dieses Monats vorgesehen.

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