HZ-Interview mit Bad Hersfelds neuem Bürgermeister Thomas Fehling (FDP) am Morgen danach

Das wird ein ständiges Ringen

Dicht umlagert war Thomas Fehling am Wahlabend. Doch das Gedränge bei der Wahlparty täuscht: Nur etwa jeder zweite Hersfelder gab seine Stimme ab. Fotos: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Die Stimme ist noch etwas belegt, aber sonst klingt Bad Hersfelds neuer Bürgermeister Thomas Fehling beim Telefoninterview mit Kai A. Struthoff am Tag nach seinem Triumph putzmunter.

Herr Fehling, wie kurz oder wie lang war die Nacht?

Thomas Fehling: Wir haben in der Cohibar gefeiert, aber nicht übermäßig lang. Der Jetlag steckt mir in den Knochen. Ich habe nicht sehr gut geschlafen, aber das bleibt nach so einem Wahlkrimi nicht aus.

Haben Sie schon bei Ihrem US-Arbeitgeber gekündigt?

Fehling: Noch nicht, aber die Kollegen sind informiert. Wir werden jetzt klären, wie wir das kurzfristig regeln können. Da hängt inhaltlich und organisatorisch einiges dran. Aber ich gehe davon aus, dass ich Anfang Januar im Rathaus mit der Arbeit anfangen kann.

Mal ganz ehrlich: Haben Sie trotz aller Handicaps mit diesem Wahlerfolg gerechnet?

Fehling: Wegen meiner Dienstreise war ich schon sehr in Sorge, ob das wohl der K.o.-Schlag sein kann. Aber ich bin damit trotzdem offen umgegangen. Im Nachhinein muss ich sagen, das hat mein Team super mitgemacht. Viele haben in dieser schwierigen Situation geholfen. Meine Abwesenheit führte eher zu einer zusätzlichen Mobilisierung. Herzlichen Dank auch an die Wählerinnen und Wähler für ihr Vertrauen.

Sie werden von einem breiten Spektrum von Personen mit ganz unterschiedlichen Ansichten unterstützt. Sind da Konflikte nicht vorprogrammiert?

Fehling: Die Aufgabe wird spannend. Ich muss versuchen, die unterschiedlichen Personen und Ansichten auszubalancieren. Bange ist mir davor aber nicht, denn das kenne ich bereits von meiner jetzigen Tätigkeit im Projektgeschäft. Aber es wird ein ständiges Ringen sein.

Wie wichtig ist jetzt die Kommunalwahl? Sie müssen doch versuchen, Ihr bürgerliches Lager zu stärken, oder?

Fehling: Es geht nicht nur um das bürgerliche Lager. Auch die SPD muss sich überlegen, wie sie mit einem neuen Bürgermeister, der nicht aus ihren Reihen kommt, umgeht. Es kann sich jetzt keiner mehr diesem eindeutigen Wählervotum verschließen. Die drei Monate bis zur Kommunalwahl werden sehr spannend werden.

Woran lag die schwache Wahlbeteiligung?

Fehling: Es scheint so, dass offenbar die Geburtsjahrgänge der 60er und 70er, also die ungefähr 40-Jährigen, sehr intensiv an der Wahl teilgenommen haben. Wir müssen jetzt analysieren, warum die Älteren und Jüngeren nicht wählen gegangen sind.

Wie geht es bei Ihnen jetzt konkret weiter?

Fehling. Ich muss mich zunächst mit meinem Arbeitgeber sortieren, dazu gibt es jetzt eine erste Telefonkonferenz, denn mein Team sitzt in unterschiedlichen Ländern. Ich habe heute schon viele Glückwünsche bekommen. Außerdem habe ich viele Einladungen, zum Beispiel zu Weihnachtsfeiern, bekommen. Es wird wohl einen offiziellen Amtsantritt im Januar geben, aber eigentlich geht es jetzt schon gleich richtig los.

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