Mini-Firma KDR aus Bad Hersfeld gewinnt Innovationpreis bei der Normierung

Sie wirbeln gegen die Krise

KDR-Produktionsleiter Fritz Stang mit einer Rohrstange, die maschinell so geprägt wurde, dass die Oberfläche besten Wärmeaustausch garantiert. Foto: Hornickel

Bad Hersfeld. Die Wirtschaftskrise lähmt nicht nur große Teile der deutschen Wirtschaft, sondern zwingt sie auch zum sinnvolleren Umgang mit Energie, Kohlendioxid-Ausstoß und Materialien.

Davon profitiert im Bad Hersfelder Dienstleistungs- und Gründerzentrum die kleine Firma KDR von Monika und Horst Spangenberg auf mehreren Ebenen.

Die Abkürzung KDR steht für Kreuz-Drall-Rohre und bezeichnet Leitungsstränge, die im Innersten von chemischen Großanlagen die Übertragung von Temperaturunterschieden auf Flüssigkeiten sichern.

Die Rohre in diesen so genannten Wärmetauschern sind nicht glatt, sondern werden technisch so gewunden, dass Flüssigkeiten einen Drall bekommen.

So nimmt kaltes Wasser, das durch solche Leitungen mit künstlicher Verwirbelung strömt, mit einem weitaus besseren Wirkungsgrad die Energie über die Rohrwandungen auf.

Prinzip veredelt

Das Prinzip wird seit 1954 angewendet, doch die KDR, die erst seit 2003 am Markt ist, hat sich daran gemacht, die Konstruktion und Fertigung solcher Kreuz-Drall-Rohre zu optimieren.

„Wir haben nicht nur den Wirkungsgrad erhöht, sondern auch bei der Herstellung die Ausschuss-Quote von einstmals 20 auf ein Prozent heruntergeschraubt“, erklärt Horst Spangenberg, der als Maschinenbau-Techniker jahrzehntelang Erfahrung aus dem Großanlagenbau und der Entwicklung bei der Eiterfelder Firma Ley gesammelt hatte. Seit 2004 werden in einer angemieteten ehemaligen Panzerhalle in Bad Hersfeld solche Rohrleitungen hergestellt. Auf einer Fertigungsstraße versehen Produktionsleiter Fritz Stang und zeitweise drei Kollegen Rohrstäbe aus Edelstahl oder Titan bis zu einer Länge von 14 Metern mit einer Art außen und Innengewinde.

Neue Standards erzielt

Momentan ist das noch eine Auftragsarbeit, denn die Anlagenbauer liefern das Rohmaterial an und lassen die Leitungen bei der KDR strömungstechnisch veredeln. Dabei werden die Leitungen in eine Maschine eingeführt, in deren Innerem Rollen die Oberfläche der Rohre prägen und damit auch dem Innenraum Profil geben.

Was die Kreuz-Drall-Rohre leisten, wird anhand der DIN 28178 berechnet und dokumentiert. Bei der Überarbeitung dieser Deutschen Industrienorm hat Horst Spangenberg sich und seine Fähigkeiten im Normierungsausschuss eingebracht.

Dafür wurde seiner Firma jetzt sogar ein Innovationspreis des Deutschen Instituts für Normierung und Nutzung der Normierung (DIN) verliehen. Die Feier dazu fand in der Rotunde der Commerzbank in Berlin statt. Zu den Gästen zählte unter anderem EU-Kommissar Günther Verheugen.

Es ist nicht alltäglich, dass eine Mini-Firma einen solchen Preis bekommt.

HINTERGRUND.

WEITERER BERICHT

Von Kurt Hornickel

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