Sommer-Interview im Schilde-Park mit den Grünen Kaya Kinkel und Friedrich-Wilhelm von Baumbach

„Wir stehen zur Energiewende“

Von wegen Sommer-Interview: Bei Regenwetter fand das Gespräch mit Kaya Kinkel und Friedrich-Wilhelm von Baumbach von den Grünen statt. Redaktionsleiter Kai A. Struthoff ließ die beiden aber nicht im Regen stehen. Foto: Marcus Janz

Hersfeld-Rotenburg. In unserer Reihe von Sommer-Interviews mit den Vorsitzenden der im Kreistag vertretenen Parteien sprachen wir diesmal mit Kaya Kinkel und Friedrich-Wilhelm von Baumbach, den Kreissprechern der Grünen.

Wenn man sich die derzeitige Politik der Grünen ansieht, könnte man meinen, dass Sie gar nicht mehr in den Kreistag zurückwollen ...

Kaya Kinkel: Wieso? Wir sind klar, deutlich und offen in unseren Positionen wie etwa zur Windkraft – auch wenn das nicht allen gefällt.

Als Windkraft-Befürworter stehen Sie mittlerweile ziemlich allein da. Haben Sie kein Verständnis für die Ängste der Menschen im Kreis, die sich regelrecht umzingelt fühlen?

F.-W. von Baumbach: Wir haben absolut nicht den Eindruck, dass wir bei diesem Thema allein dastehen! Wir bleiben in dieser Frage ehrlich und verlässlich – anders als andere Parteien, die in Berlin und Wiesbaden die Energiewende propagieren und regional etwas anderes sagen. Dabei werden dann leider auch viele falsche Behauptungen zur Windkraft angeführt.

Kinkel: Die Meinung, die etwa Timo Lübeck oder Helmut Heiderich zur Windkraft vertreten, wird selbst in der CDU-Kreistagsfraktion nicht von allen geteilt. Das hat die Abstimmung im Kreistag gezeigt. Wir hören von vielen Menschen in unserer Region, dass wir Windkraft brauchen. Aber die Gegner dieser Energieform melden sich eben lauter zu Wort. Wir fordern allerdings auch von unserer grünen Ministerin, dass die Kommunen dauerhaft mit 30 Prozent an den Gewinnen der Windkraft beteiligt werden. Das ist leider noch nicht der Fall.

Auch bei den Kali-Kumpeln haben Sie sich unbeliebt gemacht, weil Sie Ihre eigene Umweltministerin für die Verlängerung der Versenkerlaubnis kritisiert haben.

Kinkel: Ich komme selbst aus dem Werratal und weiß genau, wie wichtig die Kali-Industrie ist. Aber der Gleichklang von Arbeit und Umwelt muss stimmen. Wir haben immer gesagt, dass 2015 mit der Versenkung Schluss sein muss, um unser Trinkwasser nicht weiter zu gefährden. Diese Position können wir doch nicht über den Haufen werfen, nur weil wir mit in der Regierung sitzen. Die Verlängerung verstößt auch gegen den Koalitionsvertrag.

Sie reden gern gegen das Freihandelsabkommen oder die EZB, aber wo bleiben die konkreten Initiativen für den Kreis – etwa zur Flüchtlingsproblematik?

v. Baumbach: Wir packen es lieber an, anstatt wohlfeile Pressemeldungen über ,Willkommenskultur’ zu schreiben. Wir haben bereits im November 2014 eine sehr gut besuchte Podiumsdiskussion zum Flüchtlingsthema veranstaltet, bei der die Kreishandwerkerschaft für ihre Ausbildungsinitiative für Flüchtlinge werben konnte. Und wir arbeiten mit am Runden Tisch „Bunt statt Braun“.

Mit welchen Themen ziehen Sie in den Kommunalwahlkampf?

Kinkel: Die Energiewende ist für uns weiter ein wichtiges Thema. Ein Schwerpunkt liegt auch auf Ernährung und Landwirtschaft. Wir setzen uns für ein vernünftiges Radwegekonzept ein. Außerdem wollen wir erreichen, dass die Flüchtlinge dezentral aufgenommen und langfristig integriert werden. Das wäre auch für uns angesichts des demografischen Wandels und vieler freier Ausbildungsstellen eine große Chance.

Zur Entmachtung von Frau Künholz haben die Grünen geschwiegen. Finden Sie das Vorgehen des Landrats richtig?

v. Baumbach: Nein, wir finden den Umgang mit Frau Künholz nicht anständig. Sie hat es nicht verdient, so behandelt zu werden.

Wir hören aber, dass Ihnen die Entmachtung ganz gelegen kommt, weil Ihr Parteifreund Jörg Althoff selbst Erster Kreisbeigeordneter werden will.

Kinkel: Wir haben schon seit Langem gesagt, dass wir mit der Besetzung dieser Position bis nach der Kommunalwahl warten wollen.

v. Baumbach: Die Position der oder des Ersten Kreisbeigeordneten ist zu wichtig für Tricksereien. Die Besetzung dieses Amtes sollte auch die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse widerspiegeln. Deshalb muss man die Kreistagswahl abwarten. Es gibt dann sicher auch qualifizierte Grüne Bewerber mit Interesse.

... etwa Sie, Frau Kinkel?

Kinkel (lacht): Nein, das kann ich definitiv ausschließen!

In der Bad Hersfelder Fraktion von Grünen und SPD soll es mächtig knirschen. Wollen Sie nach der Wahl Ihre Allianz fortsetzen?

v. Baumbach: Der Ausdruck „mächtig knirschen“ ist eine Unterstellung und kann von mir nicht nachvollzogen werden. Wir arbeiten nach wie vor gut zusammen, auch wenn klar ist, dass in einer großen Fraktion um Kompromisse gerungen wird. Wir gehen aber als Partei mit einem eigenständigen Profil in den Wahlkampf. ...

... dem Profil des Nein-Sagers, wie beim Lullus-Sportpark?

v. Baumbach: Das Konzept enthielt viele unsinnige Punkte, wie etwa Rasenheizung, Kunstschnee für Skijöring und Skilanglauf. Auch konnte uns kein Verein genannt werden, der die Betreuung von Gästen übernommen hätte. Wer alternativ dafür infrage kommen könnte – und zu welchen Kosten – blieb ungesagt. Hauptkritikpunkt sind die hohen Investitionskosten von über 6,5 Millionen Euro – bei zwei Millionen Euro Zuschuss – und unabsehbare Folgekosten für die Stadt.

Unser Gespräch hat gezeigt, dass Sie vermutlich einen turbulenten Wahlkampf führen müssen. Bleibt da vorher noch Zeit für Urlaub?

v. Baumbach: Meine Frau und ich waren schon ein paar Tage mit dem Rad an Ilm und Saale, und ich werde noch meine Kinder in Berlin und Wien besuchen.

Kinkel: Auch ich war schon unterwegs – wenngleich man das nicht Sommerurlaub nennen kann: Ich war in Schottland, und es hat viel geregnet. Es war aber trotzdem ein toller Urlaub.

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