Sommer-Interview im Schilde-Park mit Werner David, Vorsitzender der FDP in Hersfeld-Rotenburg

„Wir sind strikt gegen Windkraft“

Er schnorchelt gerne, muss aber im Sommer arbeiten: Der FDP-Kreisvorsitzende Werner David aus Hohenroda (rechts) traf sich im Schilde-Park mit Marcus Janz zum Sommerinterview. Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Die Schlappe der Landratswahl hat er überwunden, jetzt tritt Werner David als FDP-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl an. Auf einer Bank im Schilde-Park stellte er sich beim Sommer-Interview den Fragen von Marcus Janz.

Herr David, noch ist die FDP im Kreistag vertreten. Stellen Sie auch nach der Kommunalwahl noch eine Fraktion?

Werner David: Ich denke, dass wir sogar eine gestärkte Fraktion stellen werden. Der Bundestrend für die FDP ist wieder ganz gut. Auch der Landesverband hat sich stark verjüngt. Dieser Rückenwind wird uns helfen. Für den Kreis bin ich optimistisch, weil sich unser Verjüngungsprozess bei der Kommunalwahl auf den Listen zeigen wird. Außerdem ist der Zuspruch von Bürgern unwahrscheinlich stark, die unzufrieden sind mit der Regierung, ganz gleich auf welcher Ebene. Gestandene Leute wollen die FDP spontan unterstützen. Für die Fraktion ist deshalb das Ziel die Verbesserung des jetzigen Status’.

Wie sieht es in den Städten und Gemeinden aus? In Alheim bauen Sie nach dem Weggang von Jochen Paulus gerade erst wieder einen Ortsverband auf. In wie vielen Gemeindeparlamenten wollen Sie antreten?

David: In etwa doppelt so vielen wie beim letzten Mal. Ja, momentan bauen wir in Alheim einen Verband neu auf unter der Führung von Aribert Kirch, der durch seine Fahrschule bekannt ist. Aber wir haben natürlich nicht nur FDP-Mitglieder auf den Listen, sondern sind offen für jedermann, der unser freiheitliches Gedankengut teilt.

Werden Sie auch selbst kandidieren?

David: Ich möchte als Spitzenkandidat für den Kreistag antreten, wenn die Partei mich nominiert. Wir wollen aber die nachfolgenden Positionen so besetzen, dass wir den Generationenübergang schaffen, zum Beispiel mit Bernd Böhle, Timo Krause und Christina Wenz.

Zuletzt hat die FDP im Kreistag nicht allzu viel beigesteuert. Ein Antrag zur Alheimer-Kaserne kam zum Beispiel nicht mehr rechtzeitig und wurde letztlich zurückgezogen. Warum brauchen wir die FDP überhaupt im Kreistag?

David: Ich denke, wir haben bisher eine gute Politik im Kreis gemacht. Wir waren zum Beispiel die einzige Partei, die gegen eine Klinikfusion mit Fulda gestimmt hat, und gegen den Kauf der EAM, weil der Staat nicht in Wettbewerb zu Privaten treten sollte. Wir haben bei der Haushaltspolitik immer dem Landrat auf die Finger geschaut. Wir sind ein Pol, der klein ist, aber sehr effektiv. Nur konnten wir uns bislang nicht durchsetzen. Deshalb müssen wir stärker werden.

Sie sind bei der Landratswahl angetreten und haben mit 3,3 Prozent das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten eingefahren. Haben Sie sich von der Schlappe erholt?

David (lacht): Ich bin seit 35 Jahren in der FDP, da hab’ ich viele Schlappen mitgemacht. Das verkraftet man schon. Das Ergebnis war nicht berauschend, aber auch nicht so katastrophal wie der damalige Bundestrend der FDP. Es hat mich aber geärgert, dass es für mich nicht mehr gab, als wir sonst auf Kreisebene holen.

In Ihrem Wahlkampf hatten Sie sich vor allem zu Wirtschaftsthemen geäußert. Was hat die FDP davon abgesehen noch zu bieten?

David: Das drängendste Thema ist die Windkraft. Wir sind als einzige Partei im Kreis strikt gegen die Windkraft. Erstens haben wir keine Speicherfähigkeiten. Zweitens stehen für uns die Menschen im Vordergrund, deshalb müssen die Abstände unbedingt größer werden. Das Dritte ist der wirtschaftliche Aspekt, denn die Subventionen sind inzwischen so groß wie der Bundeshaushalt für Bildung. Wir müssen einfach bereit sein, solche Entscheidungen immer wieder zu überprüfen.

Nun ist Windkraft ja auch ein Wirtschaftsthema. Deshalb noch mal die Frage: Was bietet die FDP thematisch noch?

David: Jedes Thema hat eine wirtschaftliche und eine soziale Seite, deshalb muss man alles immer ganzheitlich betrachten. Ein weiteres wichtiges und schwieriges Thema sind die Flüchtlinge. Da werden die Kreise alleingelassen von Bundes- und Landesregierung. Wir müssen die Sorgen der Bürger ernst nehmen. Es kann nicht sein, dass Landesunterkünfte eingerichtet werden, aber Fragen des Polizeiaufgebots und des Schutzes nach hinten geschoben werden. Was fehlt, ist ein umfassendes Konzept, eine Task Force, die alles abklopft, von der Verkürzung der Verfahren bis zur Unterbringung, damit die Flüchtlinge nicht bei 35 Grad in Zelten schlafen müssen. Wir wissen seit Jahren, dass wir sechs bis sieben Monate für Asylverfahren brauchen, trotzdem hat man nichts getan.

Wenn die SPD die Wiederwahl der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz beantragt, wie wird die FDP abstimmen?

David: Wir sind der Ansicht, dass die Wahl des Ersten Kreisbeigeordneten erst nach der Kommunalwahl stattfinden sollte. Denn dann sind die Verhältnisse geklärt. Davon abgesehen halte ich es persönlich für einen sehr schlechten Stil, wie man mit Frau Künholz umgegangen ist - seitens der SPD, aber auch vonseiten des Landrates. Sie hat ja die Fehler nicht allein gemacht.

Es ist Urlaubszeit. Warum sind Sie nicht in den Ferien?

David: In meiner Firma haben Eltern Vorrang. Alle mit erwachsenen Kindern wie ich müssen zurückstehen. Außerdem sind wir als Werkzeughersteller stark abhängig von der Bauindustrie. Bei gutem Wetter wie jetzt brummt das Geschäft. Deshalb geht es erst im Herbst nach Ägypten. Denn ich schnorchle gerne.

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