HZ-Montagsinterview mit Matthias Oppel, Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld

„Wir sind gut aufgestellt!“

Matthias Oppel, der Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld, blickt zuversichtlich auf die kommenden Monate. Arbeitsvermittlerin Christina Fink kümmert sich vor allem um die Logistikbranche und speziell um Amazon. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Ein wirtschaftlich schwieriges Jahr prognostizieren die Fachleute für 2010. Die weltweite Wirtschaftskrise soll sich vor allem auf den Arbeitsmarkt sehr negativ auswirken.Wir sprachen mit Matthias Oppel, dem Leiter der Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld, über seine Erwartungen für 2010 sowie mit ihm und Christina Fink, die als Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeberservice für die Logistikbranche zuständig ist, über die Auswirkungen der Betriebserweiterung von Amazon auf den Arbeitsmarkt.

Es wird ja allgemein befürchtet, dass es 2010 ganz dicke kommt mit der Arbeitslosigkeit. Was erwarten Sie für die Region?

Matthias Oppel: Ich bin zuversichtlich. So schlimm wird es nicht werden. Wir werden sicherlich kein ausgesprochenes Hoch erleben, aber dass es hier zu einem Einbruch kommt, wie er bundesweit prognostiziert wird, kann ich im Moment nicht erkennen.

Woran liegt das?

Oppel: Teilweise andere Gewerbe hier vor Ort, ein hoher Dienstleistungsanteil, relativ wenig verarbeitendes Gewerbe. Die Betriebe, die wir noch haben, sind einigermaßen stabil und die, die es möglicherweise nicht schaffen, werden nicht den Einbruch bringen, dass wir uns nicht mehr retten können vor Arbeitslosen.

Und wie schätzen Sie den längerfristigen Trend ein?

Oppel: Also, ich denke, das wir infrastrukturell gut aufgestellt sind und dass es auch längerfristig auf dem Niveau bleibt, wie es jetzt ist.

Welche Einflussmöglichkeiten hat denn eine regionale Arbeitsagentur? Können Sie eigene Programme entwickeln, eigene Maßnahmen starten?

Oppel: Es ist im Grunde genommen eine Mischung aus beidem. Wir bewegen uns innerhalb der gesetzlichen Möglichkeiten, die es gibt, und haben innerhalb der Ermessensleistung auch die Möglichkeit, die Dinge zu tun, die wir für richtig halten.

Haben Sie in jüngster Zeit so ein eigenes Projekt gestartet?

Oppel: Da könnten wir das Beispiel Amazon anführen als sinnvolle Einrichtung. Wir haben ein Projektteam von drei Leuten geschaffen, die das ganze Jahr diese Branche betreuen. Wir wissen, dass die Logistigbranche zum Jahres- ende mehr Leute für das Saisongeschäft benötigt und bereiten das schon ab dem Frühjahr vor.

Was ist denn mit den Leuten, die für das Weihnachtsgeschäft eingestellt werden? Haben einige die Chance zu bleiben?

Christina Fink: Wegen der Betriebserweiterung waren die Chancen so gut wie noch nie. Etwa ein Drittel hat im Anschluss an das Saisongeschäft Arbeitsverträge bekommen, die zunächst auch noch mal befristet sind, aber eben längerfristig.

Was ist mit denen, die dann wieder gehen?

Fink: Wer im Weihnachtsgeschäft bei Amazon gearbeitet hat, hat anschließend auch eher die Möglichkeit, woanders unterzukommen. Das macht sich im Lebenslauf schon positiv, wenn man im Saisongeschäft bei Amazon durchgehalten hat.

Sind das dann besonders harte Bedingungen mit langen Arbeitstagen und viel Stress?

Fink: Nein, das nicht. Aber man ist ja doch in ein Team eingebunden und muss seinen Teil im Team erfüllen. Wer dort zuverlässig war, ist auch anderswo zuverlässig.

Oppel: Es spricht auch für die körperliche Belastbarkeit im Arbeitsleben.

Fink: Es gibt schon einige, die arbeiten nur im Saisongeschäft. Ich habe viele Hausfrauen und Mütter, die sagen sich „Das Weihnachtsgeld verdien’ ich mir, wenn die Oma die Kinderbetreuung übernimmt“, oder auch Studenten, die in der Zeit mit dem Studium etwas kürzertreten und das als Zusatzverdienst nutzen.

Wie viele Leute haben Sie denn insgesamt an Amazon vermittelt?

Fink: Wir hatten in diesem Jahr knapp 3000 Bewerber mehr im Auswahlverfahren als im letzten Jahr. 1089 wurden von uns direkt an Amazon vorgeschlagen und eingestellt.

Wo kommen die Bewerber her?

Oppel: Die 1089 kommen hauptsächlich aus Bad Hersfeld, auch aus Bad Salzungen und Eisenach. Aus Eschwege haben wir auch ein paar. Fulda war in diesem Jahr stärker. Es ist meist so, dass die Bewerber eher pendeln und nicht umziehen.

Entsprechen die Einstellungszahlen bei Amazon jetzt den Ankündigungen?

Fink: Die 1089 Frauen und Männer sind ja nur die von uns vermittelten. Insgesamt standen zur Einstellung etwa 1900 Beschäftigte an und etwa 1700 sind eingestellt worden.

Oppel: Amazon hat auch einen eigenen Rekrutierungsprozess, der sich wohl relativ erfolgreich gestaltet. Da schlagen zum Beispiel Mitarbeiter jemanden aus der eigenen Familie vor.

Von Christine Zacharias

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